NACHT
(Íî÷)
Stille liegt über dem Himmel, der Erde, dem Herzen...
Nacht verhüllt alles rundum mit ihrem dunklen Schleier.
Hell leuchten die Sterne, der Mond ist schon aufgegangen,
Himmel und Wälder und Felder begiesst er mit Silber.
Alles ist eingeschlafen, leise nur flüstern die Birken,
rauschen hört man im Winde nur noch die Eschen und Ähren,
die auf dem Acker sich neigen und heiss die Erde küssen...
Stille liegt über demHimmel, der Erde, dem Herzen.
JÜNGST KAM ZUR STÄTTE...
(²çíî¢ ïàáà÷û¢ ÿ ñÿë³áû...)
Jüngst kam zur Stätte ich gezogen,
wo meine Kindheit ich genoss.
Die Mauern sind bedeckt mit Moos,
die Fenster schmückt der Regenbogen.
In Staub lag alles. Tiefer Schmerz
ob dieser Stille packt das Herz.
Der Garten, der einst wundersame,
ist jetzt verwildert, öd und leer.
Was einmal war, gibt es nicht mehr.
Allein „Veronika”, der Name,
den ich in eine Linde schrieb,
ist alles, was von früher blieb.
Lass, Baum, empor den Wipfel ragen,
erheb dich wie ein Monument,
den Schriftzug trag zum Firmament.
Das stumme Wort soll allen sagen:
Mit jedem Tage, der sich neigt,
der liebe Name höher steigt.
ROMANZE
(Ðàìàíñ)
Ich finde keinen Frieden, nicht bei Tag und auch nicht in der Nacht,
denn es verzehrt und quält mich die Liebe mit höllischer Macht.
Zwar gibt es Mittel, den Schmerz zu lindern, wenn du dich verbrannt:
Du legst auf die offene Wunde ein wenig kühlenden Sand.
Mein Schmerz jedoch wird erst enden, wenn ihr ins Grab mich gesenkt,
nur dort kann ich sie vergessen, der ich meine Liebe geschenkt.
PAHONIA
(Ïàãîíÿ)
Angst um die Heimat lässt mich erschauern.
In den Sinn kommt mir mächtig und gross
der Ostra Brama heilige Mauern
und die Recken auf grimmigem Ross.
Schweisstriefend galloppieren die Rappen,
ihr schweres Schnauben weithin erschallt.
Die Pahonia, Alt-Litauens Wappen
widersteht jeder Not und Gewalt.
Fort in die Ferne sieht man euch schwinden,
vor euch und hinter euch - Ewigkeit.
Wen wollt ihr in solcher Eile finden ?
Wohin nur führt euch der Weg so weit ?
Weissrussland wisse, die Recken reiten
und machen auf deine Kinder Jagd,
die Tod und Verachtung dir bereiten
und sich von der Heimat losgesagt.
Schlagt sie ins Herz, das Schwert in der Rechten,
lasst nie und nimmer sie Fremde sein,
ihr Herz soll fühlen in dunklen Nächten
der Heimat zuliebe Schmerz und Pein.
Heimatland liebes, Mutter, du linde,
dieser Schmerz wird auf ewig bestehn.
Nimm es auf und verzeih deinem Kinde,
es will gern in den Tod für dich gehn.
Weiter treiben die Recken die Rappen,
ihrer Rüstungen Klirren verhallt...
Die Pahonia, Alt-Litauens Wappen
widersteht jeder Not und Gewalt.
ROMANZE
(Ðàìàíñ)
Die Venus erhebt sich über den Landen,
weckt süsse Erinnerung wieder.
Weisst du noch, Mädchen, als wir uns fanden,
sah auch die Venus hernieder.
Seither versuche ich nachts zu erkennen
den Stern am Himmel so weit,
begann ich in Liebe heiss zu entbrennen
in jener berauschenden Zeit.
Jetzt müssen wir scheiden, wie gern ich auch bliebe,
das Schicksal lenkt unsre Bahn.
Wie sehr, meine Teure, ich dich auch liebe,
die Abschiedsstunde bricht an.
Voll Sehnsucht schau ich dann in der Ferne -
die Liebe im Herzen verbannt -
am nächtlichen Himmel empor zu dem Sterne
im fernen, so fremden Land.
Du musst nur dein Auge zu ihm erheben,
dann sind wir vereint wie zuvor.
Um unsere Liebe erneut zu beleben,
blick manchmal zu ihm empor.
DAS OFFENE GRAB
(Ðàçðûòàÿ ìàã³ëà)
Feine Regentropfen klingen,
Wind will in die Hütte dringen,
ächzend tönt am Feld sein Singen,
klopft an Fenster und an Tor.
Armes Herz beginnt zu beben,
aus dem Schlaf sich zu erheben,
denkt an alles, das im Leben
es seit langem schon verlor.
Denkt an Liebe und Verlangen,
denkt an jugendfrische Wangen.
Alles, das schon längst vergangen,
taucht als Traumbild vor ihm auf.
Siehe: Stets mein Herz gedachte,
wes die Zeit zunichte machte.
Wie aus offnen Grabes Schachte
weht es traurig mir herauf.
DER CHRONIST
(Ëåòàï³ñåö)
Ermattet von des Lebens schwerer Müh und Plage
verbringt im Kloster er das Ende seiner Tage.
Hier kennt er Stille nur, nicht Not und nicht Gefahr,
schreibt seine Chronik schon mit Fleiss das vierte Jahr.
Kopiert getreulich Wort für Wort mit scharfem Blicke
aus längst verstaubten Büchern Mogilews Geschicke.
Was gut war und was schlecht, die Schwächen und die Kraft
beschreibt er hier. So wie aus bittrer Blüte Saft
die Bienen süssen Honig eifrig zubereiten.
Er ist ein treuer Zeuge der vergangnen Zeiten.
Was einstmals hier geschah, der Menschen Freud und Leid,
was damals sie gedacht, der Grund für Zwist und Streit,
wie tapfer sie gekämpt, den Glauben zu bewahren -
die Enkel werden es aus dem Papier erfahren.
Was mit der Zeit verrann, Vergessenheit bedeckt,
wird im Gedächtnis gleich zum Leben neu erweckt,
wenn man gefunden hat dies schmucklose Beschreiben
wie einst das Leben war, die Hoffnung und das Treiben.
So jagt der Wellenschlag durchs weite blaue Meer
die Flasche an den Strand stets näher zu uns her,
die eingehüllt von Seegras und Muscheln aller Arten
so manches schon erlebt auf ihren langen Fahrten.
Ein Fischer findet sie, der sie sogleich zerbricht,
denn in ihr steckt vielleicht von weither ein Bericht.
Nach altem Seemannsbrauch oft Flaschen Kunde bringen
von Menschen, die auf See im Sturm zugrunde gingen.
Jahrhunderte vielleicht verstrichen seit der Zeit,
die Spuren dieses Volks verwischt die Ewigkeit,
vergessen wurde seiner im Wandel der Geschichte.
Jetzt, Chronik, lass es scheinen in neuem Tageslichte!
Von seinen Ahnen hört das Volk, was sie vollbracht,
worüber sie geweint, worüber sie gelacht,
was sie erstrebten und vor welchem Gott sie standen
und wo am Meeresgrund ihr Wellengrab sie fanden.