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DAS PROBLEM DER „HIESIGEN“ (TUTEJSI) IM POLNISCH-WEIßRUSSISCHEN GRENZRAUM. Regionale Identitäten
Hans-Christian Trepte
In den von kommunistischen Regimes beherrschten Ländern Ostmittel- und Osteuropas war das Bedürfnis nach Beständigkeit und Kontinuität besonders stark ausgeprägt, waren doch Beständigkeit und Kontinuität grundlegende Bedingungen nationaler und kultureller Identität. Nach dem Zerfall des Ostblockes begannen zum Teil heftig und leidenschaftlich ausgetragene Diskussionen über die eigene nationale Befindlichkeiten, über Unabhängigkeit, die künftigen Beziehungen zu (West)Europa sowie über die nationale und kulturelle Identität. Diese Debatten halten vor allem in Weißrußland bis heute an. Dabei ist dieses Land nicht nur als eine europäische Grenzregion, als Peripherie, sondern auch als ein eigenes Zentrum, als Begegnungsraum unterschiedlicher Völker, Weißrussen, Russen, Polen, Ukrainern, Litauern, Letten, Juden, Tataren zugleich zu begreifen. Immer wieder gab es Schwierigkeiten, die instabile, sich ändernde, schwankende Identität der Weißrussen zwischen Rußland und russischer Identiät im Osten und Polen und polnischer Identität im Westen zu bestimmen. Aus westlicher Perspektive stellte Weißrußland in seiner Rand- und Zwischenstellung zwischen den Sprachen, Kulturen und Identitäten ein fremdes, kaum entdecktes Land im Sinne von „Terra Incognita“ oder „Niemandsland“ dar. Seine unglückliche Lage zwischen zwei starken Völkern und Kulturen hatte dazu geführt, dass Weißrußland bis heute nicht zu einem „normalen Land“ in Europa werden konnte, dass es nicht wie andere vergleichbare Länder des östlichen Europas in die europäische Gemeinschaft demokratischer Staaten zurückkehren konnte. Es war jenes Gefühl der eigenwilligen Zwischenstellung als „people in between“, dass eine starke regionale Identität, „Hiesige“ zu sein, förderte. Bis heute gehören die „Hiesigen“ zu einer unterdrückten und wenig akzeptierten ethnisch-kulturellen Gruppe im Grenzgebiet zwischen Ostmittel- und Osteuropa. Seit Mitte des 17. Jahrhunderts befinden sie sich unter einem ständigen Assimilationsdruck von russischer wie von polnischer Seite. Ein anonymer weißrussischer Autor äußerte im 19. Jahrhunderts folgende typische, charakteristische Worte: „Unser Land ist nicht polnisch, es ist nicht russisch, es ist ein erobertes Land“.1 Diese Worte stimmen überein mit einer Meinung eines „Hiesigen“, den die amerikanische Journalistin Anne Applebaum, die in den neuziger Jahren mehrere Länder Osteuropas bereiste, in ihrem Buch Between East and West. Across the Borderlands of Europe zitiert: „We were a part of Lithunia, a part of Russia. Our history is theirs. Their symbols are ours.“2 Die Weißrussen sind bis heute ein traditionelles Bauernvolk, wohl gerade weil sie über keine geschlossene, nationalbewußte politische und kulturelle Elite verfügten wie traditionell die Polen mit der polnischen Schlachta. Der im 19. Jahrhundert begonnene Prozeß der Herausbildnung von Nationalstaaten im Sinne des englischen „nation building“ wurde in Westeuropa bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beendet. Die kulturell-zivilisatorische Entwicklung war im weißrussischen Fall, verglichen mit der Entwicklung etwa in Böhmen und Mähren wie auch in den baltischen Ländern, zurückgeblieben. Die Weißrussen verbleiben bei der Herausbildung eigener nationaler Strukturen sowie bei der Entstehung nationaler Mythen, die für die Festigung einer eigenen, nationale Identität unerläßlicher sind, am Ende dieses Prozesses der Bildung von Nationalstaaten in Europa. Der langwierige, zögerliche Prozeß von Nationbildung und Identitätsfind ist in Weißrußland bis heute nicht abgeschlossen, und wie er enden wird, ist schwer vorauszusagen. Gerade wegen der langen Fremdherrschaft, wegen des relativ schwach ausgebildeten Unabhängigkeitsstrebens und dem Fehlen einer weißrussisch gesinnten Nationalkirche, wurde der Prozeß der „nationalen Wiedergeburt“ gehemmt, ja oft in seiner Entwicklung wieder zurückgeworfen. Im Unterschied zu den Kaschuben, Schlesien oder Rusinen gehören die Weißrussen nicht zu jener Kategorie europäischer Völkern, die erst verspätet zu einer eigenen nationalen Identität fanden, vielmehr verharrten sie in einer stabil erscheinenden regionaler Identität zwischen den Völkern, Sprachen und Kulturen. Die Gründe dafür sind wahrscheinlich zuerst in der wechselvollen Geschichte des Landes zu suchen.
Kurzer historischer Abriß
Woher stammt der Begriff der „Hiesigen“? Auch nach den drei Teilungen Polens, als der einst mächtige Polnisch-Litauische Staat von der politischen Landkarte Europas verschwand, hatten sich die Lebensbedingungen der „Hiesigen“ nur unwesentlich geändert. Kulturhistorisch von großer Beddeutung war allerdings der Tatbestand, dass sich im 19. Jahrhundert das weißrussische Schrifttum zunächst auf der Grundlage des lateinischen Alphabets unter Hervorhebung des katholischen Glauben, entwickelt hatte. Diese kulturelle Entwicklung wurde vor allem von gebildeten, westlich orientierten weißrussischen Adligen vorangetrieben, die im Weißrussischen “Paczynalniki“ genannt wurden. Die weißrussische orthodoxe Intelligenz meldete sich dagegen erst nach 1905 zu Wort. Die absolute Mehrheit der weißrussischen Bevölkerung, die Bauern, die keinen Zugang zur Bildung hatten, wurden von dieser Entwicklung nicht einmal tangiert. Die in Weißrußland zaghaft beginnende „nationale Wiedergeburt“ wurde in den Kreisen der russophilen Weißrussen allerdings als Zeichen einer „polnischen Intrige sich polonisierender Russen“ angesehen. Von zaristischer Seite aus wurde die von wenigen Adligen und „Aufgeklärern“ vertretene „weißrussische Idee“ im Sinne einer eigenen nationalen Sprache und Kultur als „gefährlich“ angesehen und bekämpft. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, nach intensiver Russifizierung, wurde in allgemeinen Volkszählungen schließlich von den zaristischen Behörden schrittweise die Begriffe „Weißrusse“ und „weißrussische Mundart“ zugelassen. Allerdings erlaubten die russischen Machthaber nicht, im Land weißrussische Schulen zu öffnen. Die überwiegend polenfreundliche Einstellung, die noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem in der weißrussischen Intelligenz vorherrschte, ging nach dem Friedensschluß von Riga im Jahre 1921, als die 1919 gegründete Zweite Polnische Republik sich Weißrußland mit der Sowjetunion teilte und der Westen des Landes dem polnischen Staat angeschlossen wurde, merklich zurück. Im östlichen, zur Sowjetunion gehörenden Landesteil, wurde den Weißrussen nach einer kurzen Zeit des nationalen und kulturellen Auflebens im Geiste der Leninschen Politik der nationalen Selbstbestimmung mit der Gewaltherrschaft Stalins den Weißrussen erneut die wenigen nationalen Rechte und Freiheiten genommen. Es setzte eine Zeit der nationalen Unterdrückung, Verfolgung, des Völkermords ein, welche die zögerliche Entwicklung des weißrussischen Nationalbewußtseins nicht nur aufhielt, sondern entschieden zurückwarf.
In der Zweiten Polnischen Republik zwischen den beiden Weltkriegen (191939) erkannte keine politische Richtung oder Partei die „Gegenständlichkeit“ und Rechte der weißrussischen Bevölkerung an, obwohl Józef Pilsudski in seiner berühmten Ansprache vom 22. April 1921 „An die Bewohner des ehemaligen Großfürstentums Litauen (Do mieszkaców byego Wielkiego Ksistwa Litewskiego) versprochen hatte, deren „Rechte zu schützen, um die Traditionen dieser Länder ohne Anwendung von Gewalt und Druck von polnischer Seite weiter auszubauen“.3 Nur wenig später schien Pilsudski in seinen Ausführungen zu den Perspektiven eines nationalen weißrussischen Schulsystems in Polen seine Meinung geändert zu haben. Er äußerte nun, dass die weißrussische Sprache so schwer und nicht (für den Unterricht) bearbeitet sei, dass Weißrussisch nicht die Sprache von Schule und Verwaltung sein könne. Das Niveau der kleinen weißrussischen Intelligenz schätzte Pilsudski aufgrund ihres „moralischen und intellektuellen Werts“ als „äußerst niedrig“ ein.4 In der zweiten Polnischen Republik hatten schließlich die Nationaldemokraten gesiegt, die insgesamt gegen alle nationale Minderheiten im Lande vorgingen, die Weißrussen bezeichneten sie pauschal als „schlecht polnisch sprechende Polen“, die man im Verlauf einer Generation polonisieren könne.
Im damals zum polnischen Staat gehörenden Polesien herrschte traditionell eine starke Abneigung gegenüber nationalen Deklarationen vor, die während der polnischen Herrschaft nunmehr auch das polnische Schulsystem betraf. Auf Initiative der Gesellschaft der Weißrussischen Schule (Towarzystwo Szkoy Biaoruskiej) wurde im gesamten Schuljahr 1923/24 in vielen Ortschaften Polesiens ein Schulboykott organisiert. So gingen allein in der Stadt Pinsk nur etwa 5-7% der schulpflichtigen Kinder zur Schule.5 Allerdings hatte die gegenüber nationalen Minderheiten betriebene forcierte „Integrationspolitik“ des polnischen Staates im weißrussischen Fall zu einem öffentlich ausgetragenen Kampf gegen alles Weißrussische geführt, so dass es kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Polen keine weißrussischen Schulen mehr gab. Der in der Zweiten Polnischen Republik herrschende Sprachchauvinismus hat sich teilweise bis heute im Bewußtsein vieler Polen gegenüber der weißrussischen Sprache gehalten. Aus polnischer wie aus russischer Perspektive wurde das Weißrussische als Ausdruck einer besonderen Volkskultur angesehen, die weißrussische Sprache wurde aus der jeweiligen nationalsprachlichen Perspektive als ein unterentwickelter Bauerndialekt angesehen, der zur „gehobenen Kommunikation“ in Kultur, Wissenschaft, Politik, Verwaltung sowie für den Schulunterricht nicht taugte. Eine Folge dieses für die Herausbildung einer eigenen nationalen und kulturellen Identität ungünstigen historischen Prozesses war, dass die Mentalität, das nationale und gesellschaftliche Bewußtsein der heutigen Weißrussen von allen Nationalitäten der früheren Sowjetunion wohl am ehesten der seinerzeit propagierten Kategorie der „neuen sozialistischen Persönlichkeit“, der angestrebten sowjetischen Nationalität und damit dem „homo sovieticus“ entspricht. Im Prozeß der langjährigen Entnationalisierung, der schnellen Industrialisierung und den gewaltsamen Veränderungen in Landwirtschaft, in dem allein die weißrussische Bauernschaft die natürliche Grundlage und Stütze regionaler sowie weißrussischer Identität blieb, konnte sich in Weißrußland kein nationales Bürgertum herausbilden. Das „weißrussische Element“ blieb vorrangig auf das „Hiesige“ beschränkt. Bei den Weißrussen generell, bei den „Hiesigen“ insbesondere vermißt man auf Grund des verspäteten einsetzenden Prozesses der Nationsbildung die wichtige Kategorie der Selbstmodernisierung, die als eine wichtige Grundbedingungen für die Herausbildung einer eigenen Nationalität bei ethischen- und Minderheitengruppen angesehen wird. Bei den Weißrussen fehlt auch ein ausgeprägtes Gefühl für Unabhängigkeit und Eigenstaatlichkeit, es gibt kaum allgemein anerkannte und akzeptierte „große“ Persönlichkeiten, die diesen Prozeß als Repräsentions- und Integrationsfiguren hätten vorantreiben könnten. Im Verlauf der Entstehung eines eigenen Nationalbewußtseins bilden sich auch bestimmte geopolitische Ansichten heraus, die die Beziehungen und das Verhalten gegenüber dem „Anderen“ und „Fremden“, gegenüber anderen Staaten, Völkern, Sprachen, Kulturen und Religionen bestimmen. Auch dieser nationale und kulturelle Differenzierungsprozeß ist bei den Weißrussen nur wenig vorangeschritten. Es zeigen sich allerdings deutliche Präferenzen für zwei ehemalige Sowjetrepubliken, Rußland und die Ukraine, die als slawische Brüder akzeptiert und hoch angesehen sind. Eine deutliche Angrenzung erfolgt gegenüber dem Westen, der im Gegensatz zu Rußland zumeist pauschal abgelehnt wird. Tatsächlich hatte sich der Weste fast nie für die weißrussische Nationalbewegung interessiert. Die traditionelle westeuropäische Ignoranz und Arroganz gegenüber den armen europäischen Brüdern im Osten Europas traf gerade für Weißrußland und die Weißrussen zu, die kaum zur Kenntnis genommen wurden. Besonderheiten weist auch das geschichtliche Bewußtsein der Mehrheit der Weißrussen auf, das sich durch ein deutlich einseitiges, selektives Herangehen an die Geschichte auszeichnet. So schrieb der polnische Schriftsteller und Essayist Jerzy Stempowski, ein Kenner der ehemaligen östlichen Grenzgebiete der polnischen Addelsrepublik, dass die weißrussische Geschichte eine Geschichte sich abwechselnder Besatzungen und des Despotismus sei und sich das Geschichtsbewußtsein der Weißrussen in einer Art Schlafzustand befinde6. Die Mehrheit der Einwohner des Landes hat nur geringe Kenntnisse über die Vorkriegsgeschichte und die historischen Ereignisse vor dem Machtantritt der Sowjets. Versuche, diese Geschichtslücken zu füllen, werden mehrheitlich als ein Aufzwingen fremder Geschichte, vor allem der Polens und der ungeliebten Jesuiten zurückgewiesen. Dagegen wird die Geschichte Rußlands, wohl aus Gründen der Schulbildung, der Erziehung und der sowjetischen Propaganda als eigene Geschichte akzeptiert und angenommen. Als hemmend für das eigene Nationabewußtsein wirken sich Minderwertigkeitskomplexe aus, die Überzeugung, dass das Niveau der eigenen Kultur und Sprache im Vergleich mit den Nachbarn nicht mithalten könne. Im Zusammenhang damit bildete sich die falsche Überzeugung heraus, dass es unvorteilhaft, wenn nicht schädlich sei, seine weißrussische Herkunft und Identität offen zu zeigen, da damit die Chance, politisch, beruflich und gesellschaftlich weiterzukommen bedeutend eingeschränkt würde.
Die „Hiesigen“ in Volkszählungen als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung
Das offizielle Problem der „Hiesigen“ zeigte sich offiziell zunächst in zwei statistischen Erhebungen, die in Polen 1921 und 1931 durchgeführt wurden. Der Zensus von 1931 berücksichtigte lediglich zwei „ethnische Kategorien“: die religiöse Zugehörigkeit (wyznanie religijne) und die Muttersprache (jzyk ojczysty) mit dem erläuternden Zusatz „die am nächsten stehende Sprache“ (jzyk najbardziej bliski sobie). Verzichtet wurde dagegen bewußt auf die Rubrik, die nach der nationalen Zugehörigkeit fragte, um Unklarheiten und Streifragen wie sie es bei der Interpretation der Ergebnisse der Volkszählung von 1921 gegeben hatte, als eine große Anzahl der Befragten, die nicht polnischer Nationalität waren, wegen ihres Gebrauchs der polnischen Sprache als Polen gezählten wurden. (Zahlreiche Weißrussen, Ukrainer und Juden hatte damals Polnisch als Muttersprache angegeben). Andererseits hatte der überwiegende Teil der Bevölkerung Polesjens, übrigens die ärmste und am schwächsten entwickelte Region der Zweiten Polnischen Republik, in der Erhebung zum Sprachgebrauch „eigene Sprache“ (swój jzyk), „unsere Sprache“ („po naszemu“) oder „hiesige Sprache“ (tutejszy) angegeben7. Die „Hiesigen“ stellten damals 62,4% der Bevölkerung Polesiens dar, die hauptsächlich auf dem Lande wohnte. In offiziellen polnischen Schreiben sowie statistischen Erhebungen wurden die „Hiesigen“ jedoch als „Polesjer“ (Poleszucy) bezeichnet.8
In der Erhebung von 1932 hatte sich gezeigt, dass das sprachliche Kriterium allein wenig aussagekräftig war. Schließlich waren die Sprachbarrieren in diesem Gebiet deutlich niedriger, waren Sprachgrenzen fließend, kaum bemerkbar, und sie spielten bei der Herausbildung eines andersartigen nationalen Bewußtseins nur eine geringere Rolle. Andererseits deklarierten sich viele Einwohner als „Hiesige“, weil sie nicht von anderen Nationalismen, dem polnischen, russischen, wahrscheinlich aber auch dem weißrussischen vereinnahmt werden wollten. Wissenschaftliche Untersuchungen, die in der Zwischenkriegszeit in jenen Gebieten durchgeführt wurden, zeigten, dass sich gerade in Situationen, die eine deutliche nationale Definition erforderlich machten, viele der „Hiesigen“ unerwartet eher als Polen und nicht als Weißrussen deklarierten, einmal wahrscheinlich wegen der alltäglich praktizierten Zweisprachigkeit, andererseits wegen eines möglichen Aufstiegs und handfester Vorteile im Rahmen des polnischen Staates.
Im Ergebnis in Weißrußland durchgeführter empirischen Feldstudien, die dank der finanziellen Unterstützung durch den Fonds national suisse de la recherche scientifique über Erscheinungen der Entwicklung des Nationalbewußtseins auf dem Territorium zwischen Ostsee und Schwarzen Meer (im Polnischen als „Miedzymorze“ -bezeichnet) 1993 in Litauen begonnen wurden, stellten die polnischen Forscher Marek Sliwiski i Walery Czekman fest, dass im Falle der Bewohner von Weißrußland der Wahrnehmungsgrad des anderen geographischen Raums, d.h. anderer Staaten, fremder Sprachen und Kulturen mit ihrem Konfliktpotential nur gering ausgeprägt ist. Für Sliwinski und Czekman gehört Weißrußland zweifelsohne zu jenem Teil des früheren Sowjetreiches, in dem die Sowjetisierung Erfolg hatte und der homo sovieticus am ehesten verwirklicht werden konnte. Eine häufige Begründung für das Zurückweisen der erstellten Fragebogen durch viele Weißrussen war, dass die Fragen eindeutig „nationalistischer“ Art seien und Versuche darstellten, nationalistische Auseinandersetzungen zu fördern (popytka rozygania nationalnych strastiej). Da die Weißrussen jedoch im Geiste des proletarischen Internationalismus erzogen wurden (my Biaorusiny wospitany w duchie proletariatskowo internacjonalizma), müßten sie derartige Versuche kategorisch zurückweisen. Sogar die weißrussische Sprachform schien die polnischen Forscher automatisch als „weißrussische Nationalisten“ zu disqualifizieren, weil diese nicht so wie die Einheimischen sprachen (patamu szto wy haworycie tak (...) jak my nie haworym). Den Forschern fiel des Weiteren auf, dass die Mehrzahl der Befragten eindeutige Bedenken hatten, ihre Meinung zu äußern, ohne auf Anordnungen und Anweisungen höher gestellter Persönlichkeiten oder auf die Meinung des Kollektivs Rücksicht zu nehmen. Die Politik des weißrussischen Diktators Aleksander Lukashenko hat diesbezüglich nichts geändert. Im Gegenteil, die Weißrussen fürchten heute mehr denn je eine eigene, kritische Meinung zu äußern. Die wirtschaftliche Situation des Landes hat sich dramatisch verschlechtert und die unkalkulierbare Politik des „großen Kolchosbauern“ hat zur internationalen Isolation und Ächtung des Landes geführt. Der weißrussische Staat unter Lukashenko ist nicht an der Föderung der weißrussischen Sprache und einer eigenständigen weißrussischen Kultur interessiert. Nach dem im Mai des Jahres 1995 in Weißrußland durchgeführten Referendum wurde erneut die russische Sprache als Amtssprache eingeführt, kehrten die alten sowjetische Insignien zurück, wurde die weißrussische demokratische Opposition unterdrückt und ihre Anhänger verfolgt; die nach dem Zerfall des Sowjetreiches gerade erst errungene Unabhängigkeit wurde wieder zur Disposition gestellt. Auch die nationale Manövrierungstaktik Lukashenkos nach dem Vorschlag Putins, Weißrußland mit Rußland zu vereinen, ändern an diesem Sachverhalt nichts, geht es auch in diesem Falle wiederum allein um den Machterhalt des Diktators.
Was die „Hiesigen“ im polnisch-weißrussischen Grenzraum betrifft, schien es seit 1991 Hinweise darauf zu geben, dass eine separatistische Bewegung im Entstehen begriffen war, die auf weißrussischer Seite eine gewisse Autonomie von Minsk einforderte. Vertreter dieser autonomen Bewegung führten die Herkunft der „Hiesigen“ auf den alten nichtslawischen Stamm der Jatwigen zurück. (In der renommierten polnischen Wochenzeitschrift „Polityka“ stellte man damals die Frage, ob nicht im Gebiet der „Hiesigen“ eine weitere slawische Nationalität im Entstehen begriffen sei...).
Die Rolle der Sprache im Prozeß der Herausbildung einer eigenständigen Nationalität bei den Weißrussen und „Hiesigen“
Ein wichtiges Element bei der Erforschung von nationaler und kultureller Identität ist die Frage nach der Sprache. Der bekannte polnische Philosoph und Schriftsteller Leszek Koakowski stellte u.a. fest, dass ein Volk seine Sprache verlieren kann, ohne dabei zwangsläufig seine Identität verlieren zu müssen (ein trauriges Beispiel stellen diesbezüglich die Iren dar).9 Die Sprache ist nicht immer eine unbedingt erforderliche Voraussetzung für die Herausbildung einer konkreten nationalen und kulturellen Identität, die automatisch ethnische Gruppen an nur eine Sprache bindet wie das Beispiel der (Ober)Schlesier, Elsässer oder Masuren beweist, die zu Hause zwar einen polnischen Dialekt sprachen, sich aber in der Mehrzahl der Fälle mit der deutschen Kultur identifizierten. Zu diesen vor allem zwischen den Sprachen stehenden ethnischen Gruppen kann man auch die Gruppe der, was das Nationalbewußtsein betrifft „Gleichgültigen“, „Schwankenden“ bzw. „Nichtfestgelegten“, aber auch Gruppen mit ausgeprägter regionaler, bipolarer oder multipolarer Identität zählen, die an sprachlichen und kulturellen Werte anderer Völker, vor allem während wirtschaftlicher und politischer Konjunkturen partizipieren, ihrerseits aber wiederum ihren eigenen Beitrag beisteuern und damit die Kulturen und Sprachen der Nachbarvölker bereichern.10 National und sprachlich gemischte Regionen sowie Gebiet mit einer ausgesprägten und gefestigten regionalen Identität entsprechen nicht den im 19. Jahrhundert bestimmten Kategorien des nationalistischen Europas mit seinen Vorstellungen von den „Sprachnationen“. Im Prozeß der Herausbildung von Nationen bzw. Nationalitäten und von (zumeist von zwei Seiten betriebenen) Integrations- und Assimilationsbestrebungen im Grenz- und Überlappungsgebieten größerer Kulturen und Sprachen kann es einmal zur Herausbildung deklarativer regionaler wie auch multipler, fließender und schwankender Identitäten kommen.11 Mit der Entwicklung des Nationalismus, der den Aufbau einheitlicher, monistischer Identitäten anstrebt, die den Einzelnen und unterschiedliche ethnische und kulturelle Gruppen ausschließlich an eine Nation zu binden versucht, wurde der Raum für eigenständige Identitäten zwischen Nachbarvölkern, deren Sprachen und Kulturen immer kleiner. Dieser Prozeß kann – wie bereits gesagt – zu bi- bzw. multipolaren Identitäten, aber auch zur Flucht aus einer nicht selten aufgezwungenen nationalen Zugehörigkeit sowie zur Suche nach einer eigenen Identität führen.
Im weißrussischen Falle haben wir es mit einem historischen Prozeß des Verschwindens einer lebendigen, gesprochenen Sprache zu tun, ähnlich wie zuvor in Europa in Irland bzw. in Schottland geschehen. Dabei geht die neuweißrussische Sprache in ihren Wurzeln auch auf Dialekte anderer slawischer Stämme, vor allem der Kriwitschen zurück, die im sechsten Jahrhundert in das heutige Gebiet Weißrußlands einwanderten und sich mit den in diesen Gebieten bereits vorher ansässigen baltischen Stämmen und deren Dialekten zu vermischen begannen. Gegenwärtig kann man den Prozeß des schrittweisen Verschwindens und endgültigen Verlustes einer lebenden Sprache bei den Niedersorben in der deutschen Lausitz beobachten. Die weißrussische Kultur, die sich auf das Weißrussische stützt, stellt heute angesichts der dominierenden russischsprachigen Kultur in Weißrußland eine absolute Minderheit im eigenen Land dar und provoziert die Frage, ob auch eine weißrussische Kultur und Identität in einem anderen sprachlichen Gewand möglich ist. Im Falle der „Hiesigen“ kann man den selben, frappierenden Mangel einer übergreifenden und integrierenden sprachlichen wie kulturellen Zugehörigkeit beobachten, obwohl wenn mit dem Fremden, Andersartigen konfrontiert, der eigene Dialekt und damit verwandte andere Mundarten durchaus eine identifzierende und integrierende Funktion nach dem Motto „Wer nicht so wie wir spricht, gehört nicht zu uns“ ausüben kann. Sprachliche Zeichen und Kulturcodes bestimmen jenen engen Kreis der Zugehörigkeit zum vertrauten „inneren Kreis“ (orbis interior), als geschlossene regionale Gemeinschaft verstanden, die sich von der Außenwelt (orbis exterior) unterscheidet. Ein wichtiges Element von Kultur ist zweifelsohne die Sprache, die im Elternhaus gesprochen wird. Der ständige Gebrauch des Russischen in den meisten weißrussischen Familien sowie Russisch als Kommunikationssprache führt automatisch zu einer Annäherung, zur wachsenden Identifizierung mit der russischen Kultur und Identität und den Russen als Hauptbezugsgruppe auf Kosten der ohnehin nur schach ausgeprägten weißrussischen Identität. Der Gebrauch des Weißrussischen bzw. seiner Dialekte führt andererseits zu einer kulturellen Annäherung an Polen und damit an den Westen. Das Polnische hatte in der Geschichte seit der Zugehörigkeit der weißrussischen Gebiete zum Polnisch-Litauischen Commnewealth das Tor zur westlichen Kultur, sowohl über das Latein als auch über die polnische Sprache geöffnet. Ähnlich wie die Ukrainer charakterisiert auch die Weißrussen eine innere Zerrissenheit zwischen einem mehrheitlich national und europäisch eingestellten Westen und einem eindeutig russophilen, ja prosowjetischen Osten mit dem zwar russischsprachigen Zentrum Minsk, in dem die meisten Konflikte ausgetragen werden. Heute sehen sich nicht nur die „Hiesigen“, sondern auch die Weißrussisch Sprechenden als Minderheit im eigenen Land. Der gewaltsame Wechsel der nationalen Selbstidentifizierung vom Weißrussischen zum Russischen in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts war mit der internationalen Expansion des kommunistischen Systems und dem weltweiten Machtzuwachs der Sowjetunion vor allem nach der Niederlage der Amerikaner im Vietnamkrieg verbunden. Gerade in jener Zeit begann das Weißrussische (ähnlich wie auch andere Sprachen in der Sowjetunion) zu Gunsten des Russischen dramatisch zu schrumpften, wurde die Sprache zusehens immer weniger gebraucht und abgelehnt. Ähnliches trifft, jedoch nicht in diesem Ausmaß, für die „einfache Sprache“ (prosta mowa) der Hiesigen zu.
Das Gewaltregime Lukashenkos hatte nicht nur zu einer Abwendung des Westens und der zum Westen zurückkehrenden Staaten Ostmitteleuropas geführt, sondern auch Stereotype vom leicht beherrschbaren, passiven, unterwürfigen und kommunistenfreundlichen Weißrussen verstärkt, die nicht selten erniedrigend als von Minderwertigkeitskomplexen behaftete „Kollektivmenschen“, ohne ausgeprägte Individualität charakterisiert werden, die sich eilfertig jeglichen politischen, sprachlichen und kulturellen Veränderungen anpassen und eine geradezu masochistische Leidensfähigkeit zu besitzen scheinen. Diesbezüglich könnte der Rückzug auf die politisch und gesellschaftlich unverbindliche Kategorie des regionalen „Hiesigseins“ auch als eine Art Flucht aus dem Dilemma der Zeit gesehen werden. Sie führt aber zu einer freiwilligen, gewollten Selbstisolation, zur Selbstblockade, zur verhängnisvollen Ghettoisierung im soziologischen Sinne, zur Konzentration auf das enge Eigene, Private, Persönliche, zur Abgrenzung von anderen Kulturen, Völkern, von Europa. Die Politik wird wie auch die Verantwortung für die Geschicke des Landes an die Elite des Landes abdelegiert.
Ein weiters mit der nationalen und kulturellen Identität verbundenes Problem ist die Einschätzung und Wertung des „Andersartigen“, der fremden Menschen, Sprachen und Kulturen aus der vergleichenden Perspektive der eigenen Sprache, Mundart und Kultur. Das betrifft vor allem Menschen wie die „Hiesigen“, die nicht in der Lage oder nicht Willens sind, ihre eigene nationale Zugehörigkeit auf der Grundlage der Nationalsprache zu bestimmen, da sie ausschließlich nur einen von der Literatursprache abweichenden Dialekt sprechen. Ein solcher Dialekt beginnt häufig sein eigenes Leben zu leben, besondere Regeln und Zeichen, die der Standardsprache eigen sind, werden hier nicht beachtet, gepflegt bzw. gemieden. Bei den Polen, die meist keine näheren sprachliche und kulturelle Kontakte mit der weißrussischen Bevölkerung haben, erscheinen nicht nur die Dialekte der „Hiesigen“ sowie das Weißrussische bei aller Verwandschaft mit dem Polnischen als fremd, eigenartig, zum Teil unangenehm und lächerlich. Das Sprachproblem zwischen der Literatursprache auf der einen Seite und den zumeist niedriger eingeschätzten und häufig verlachten Dialekten wird häufig am Beispiel des Kontrastes Stadt Dorf gezeigt. Die Nähe und zugleich Andersartigkeit sowie Fremde einer anderen Sprache führt auf der Grundlage von Tautonymen und sogenannten „falschen Freunden“ zu eigenwilligen, komischen, lächerlichen Mißverständnissen, zu teilweise absurden Situationen in der sprachlichen Kommunikation. Die sprachliche Andersartigkeit wird humoristisch, parodistisch aufgenommen, die andere Sprache oder der andere Dialekt im Vergleich mit der eigenen Sprachnorm dabei als niedriger, weniger entwickelt, als unreif im Sinne eines „unzivilisierten Bauerndialekts“ wahrgenommen. Auch diesbezüglich weist das Stereotyp des Weißrussen eine weiter, negativ konnotierte Dimension auf, die Überzeugung vom ärmlichen, provinziellen bäuerlichen Charakter der Sprache, aber auch der Kultur und Mentalität sowohl der Weißrussen als auch der „Hiesigen“.
Zur Darstellung der „Hiesigen“ in der Literatur
Die ehemaligen polnischen Grenzgebiete im Osten des Landes, „Kresy“ genante, die zugleich Grenzraum von Ostmitteleuropa sind, wurden - im Widerspruch zur Realität - gerade in der polnischen Literatur als ein geographisch geschlossenen Gebiet dargestellt, das mit dem eigentlichen Polen nicht nur eng verwandt, sondern auch auch mit ihm durch eine Vielzahl unterschiedlicher Banden verknüpft war. Das betraf in erster Linie die Vertreter der in den Grenzgebieten ansässigen polnischen Aristokraten, vor allem den polnischen Landadel. Bis zur Romantik wurde der Bauer als nicht würdig erachtet, Gegenstand der polnischsprachigen Literatur zu sein, und er schied automatisch aus den damaligen ästhetischen Kontext von Kunst und Kultur aus.
Die Frage der nationalen und kulturellen Identität spielt in der polnischen Grenzlandliteratur eine wichtige Rolle, sie ist vor allem mit der langen Herrschaft Polens über diese Gebiete verbunden. Es war die polnische Schriftstellerin Maria Kuncewiczowa, die in ihrem literarischen Werk „Der Förster“ (Lenik) das Thema vom Sieg des polnischen Patriotismus über die angeblich in die Irre führende Frage der nationalen Zugehörigkeit in den östlichen polnischen Grenzgebieten erörterte und über die literarische Hauptfigur des Romans die traumatische Identitätskrise zeigt, in derem Verlauf Kazimierz zum „Hiesigen“, einem dieser Menschen in Polesjen wird, wo „niemand richtig von sich wußte, ob er Pole, Litauer oder Russe sei oder vielleicht von den Deutschen kommt“ (Jeden, który staje si w kocu „tutejszym”, jednym z tych ludzi na Polesiu, gdzie nikt dobrze o sobie nie wiedzia, Lach on czy Litwin, czy ruski czlowiek rdzenny, albo li moe z Germaców). Der weltbekannte polnische Schriftsteller und Nobelpreisträger Czesaw Miosz erläuterte wesentlich später in seinen Ausführungen „Heimatliches Europa“ (ins Deutsche als „Ost- und westliches Gelände“ übersetzt) „diese Mischung aus polnischem, weißrussischen, litauischen und deutschen Blut, wovon ich selbst ein Beispiele bin“ (ten melanz krwi polskiej, bialoruskiej, litewskiej i niemieckiej, jakiego jestem przykladem). Das gesamte kulturelle Begriffsarsenal verband sich in der polnischen Kultur und Literatur über die östlichen Grenzgebiete (Kresy) mit dem Polnisch-Litauischen „Commonwealth“ und über diesen dann mit Polen. Identifaktionsmuster sollte in in jener Gemeinschaft von Staaten, Sprachen und Kulturen und auf Weißrußland angewendet die Identifikationsformel gente Russus albus, natione Polonus sein. In der weißrussischen Gesellschaft wurde bereits damals kaum eine Schicht oder Elite gesehen, die als geeignet erschien, die weißrussische nationale Kultur zu sublimieren. Die einheimische weißrussische Eliten, die sich zwischen den miteinander rivalisierenden Polen und Russen befand, war zumeist recht schnell beiderseitigen Assimilationsversuchen erlegen und hörte damit auf, für eine eigenständige weißrussische Kultur im Rahmen des Polnisch-Litauischen Commonwealth einzutreten. Auch später wurde in der zöerlichen, wenig nationalbewußten Haltung vieler weißrussischer Intellektueller ein deutlicher Beweis für fehlende nationale Bindungen gesehen.
In einer Reihe von Werken der polnischen Literatur wurde die Problematik der „Weißrussen“ sowie der „Hiesigen“ besonders erörtert. Das östliche polnische Grenzland avancierte gerade in der polnischen Literatur des 19. und 20. Jahrhundert zu einem außerordentlich wichtigen Thema. Eines der wohl für größeres Aufsehen sorgenden Bücher über die „Hiesigen“, über das generelle Thema der Paradigmen vom „Eigenen“ und „Fremden“, ist der in englischer Sprache geschriebene spektakuläre Roman „Der Bemalte Vogel“ (The Painted Bird/Malowany Ptak) des aus Polen kommenden und nach Amerika emigrierten Schriftstellers Jerzy Kosinski. Es ist nicht schwer, Stoff und Herkunft dieses literarischen Werkes zu entschlüsseln. Es steht in der Tradition der polnischen wie auch der englischsprachigen Literatur, besonders in der von Joseph Conrad (Józef Konrad Korzeniowski).
Die Reise ins von Jarosaw Iwaszkiewicz ausgedachte Ludyn führt den Priester Suryn aus Poock durch das sumpfiges Gelände des Smolensker Gebietes. Das menschliche Drama und das Verbrechen beginnen an einem Ort, wo sich die Wege von Polock und Smolensk kreuzen... In einer ähnlichen Ödlandschaft begehen die Bauern in Eliza Orzeszkowas Buch „Die Hexe“ (Dziurdziowie) ihr grausames Verbrechen, unter jenen dunklen Mächten nimmt sich auch die Heldin des Romans „Der Njemenfischer“ (Cham) das Leben. Zu einer wahren Verkörperung des positiven Weißrussen wird im gleichnamigen Roman der Orzeszkowa die Figur des Pawe Kobycki. Verallgemeinernd setzte die polnische Schriftstellerin in ihrem umfangreichen literarischen Schaffen zum polnischen Grenzland das Weißrussische mir dem Volkstümlichen, Folkloristischen gleich und meint, dass infolge der „Kreuzung der Rassen“ (der polnischen mit der weißrussischen), die Polen nur gewinnen können, da sie dadurch „gewisse Eigenschaften übernehmen, die es im Königreich Polen nicht gibt (...), dazu zählte sie vor allem „Beharrlichkeit, Ruhe und Ausdauer“.12 Dieser u.a. von Orzeszkowa geschaffene sanfte, friedliche Typ des Weißrussen gibt es bis heute in der polnischen Literatur; Beispiele dafür sind u.a. Marian Brandys’ Das Königreich von Weißrußland (Królestwo Bialorusi) oder Jan Józef Lipskis Zwei Vaterländer, zwei Patriotismen – Bemerkungen über die nationale Megalomanie und Xenophobie der Polen (Dwie ojczyzny dwa patriotyzmy – Uwagi o megalomanii narodowej i ksenofobii Polaków). Dazu zählen aber zahlreiche literarische Werke von Tadeusz Konwicki wie beispielsweise sein Roman Bohin. Der in Polen lebende weißrussiceh Schriftsteller Sokrat Janowicz unternahm in seinem Essay Dobroru, Dobroru eine wichtige Revision der erwähnten stereotypen Vision von der hilflosen Sanftmut der Weißrussen sowie der Identifizierung des „Weißrussischen“ mit dem „Bäuerlichen“, die gerade Czeslaw Milosz als Ausdruck einer traditionell verstandenen gesellschaftlichen und nationalen Passivität wertete, die die Weißrussen all zu leicht zum Opfer beliebiger Räuber und Banditen gemacht habe.13
„Die Hiesigen“, d.h. die unfreien, in Armut und Not groß gewordenen Bauern, unterscheiden sich von ihren polnischen Herrn sehr deutlich, nicht nur in kultureller und sprachlicher Hinsicht, sondern auch im Sozialen. Jener (weißrussischer) Bauerntölpel erschien nämlich recht spät auf dem Parkett der polnischen schöngeistigen Literatur. Es war Leon Kruczkowski, der das Gegenstück zum passiven, schicksalsergebenen Bauern schuf. Sein menschlicher, liberaler Bauer tauchte wohl zuerst in Konfrontation mit dem polnischen Adel in Kruczkowskis Roman „Rebell und Bauer“ (Kordian i cham) auf. Auch Edward Redlinski – übrigens ähnlich wie Jerzy Kosinski – bedient sich dieses Kontrastes von Bauer und (Guts)Herr, vor allem beim Zusammenprall des primitiven, finsteren, zurückgebliebenen (ostpolnischen) Dorfes mit der modernen städtischen Zivilisation und Kultur und ihrer angeblichen Fortschrittlichkeit, Verderbtheit und Dekadenz. Diesen Gegensatz reflektiert auch die zielgerecht und funktional eingesetzte Sprache im Gegensatz von Literatursprache und Dialekt. Dieser Kontrast wird auch über geographische und geopolitische Dimensionen gezeigt. Wie sieht der Mikrokosmos von Taplary, jenem entlegenen Dorf aus Redliskis literarischem Werk „Konopielka“ aus? Es ähnelt ganz und gar jenen am Ende Europas liegenden zivilisatorisch zurückgebliebenen Dörfern mit ihren skurilen, rückständigen und zum Teil brutalen Einwohnern aus Kosiskis Roman „Der bemalte Vogel“ (The Painted Bird/Malowany ptak). Dieses geographische Gebiet ist von der Außenwelt durch ausgedehnte Sümpfe, Flüsse und Überschwemmungsgebiete abgeschnitten, isoliert. Seine einfachen Bewohner scheinen noch in einer Art Urgemeinschaft mit ihren eigenen Gesetzen und Regeln und in enger Verbundenheit mit der Natur zu leben. Das ist nur eine von mehreren möglichen Interpretationen.
SCHLUßBEMERKUNG
Die Schriftsteller des polnisch-weißrussischen Grenzlandes schauen wahrscheinlich aus einer etwas anderen Perspektive auf die Problematik der „Hiesigen“ und deren eigenwillig erscheinende regionale Identität. Für sie mag der Kontrast Stadt Land auf der einen und der Gegensatz von polnische Identität und regionale Identität auf der anderen Seite für ihre literarische Arbeit nicht ausreichend anregenden literarischen Stoff bieten, um die Paradigmen des „Eigenen“ und des „Fremden“ in ihren Werken zu zeigen. Sie verfügen über andere Erfahrungen, die sich vor allem aus der spezifischen Erfahrung zweier Sprachen und Kulturen ergeben. Sie leben und schreiben im engen Umfeld zweier mit einander verwandter Völker, Sprachen und Kulturen, die sie bestens kennen. Damit können sie, mehr als ihre weißrussischen Kollegen, zu wahren Brückenbauern zwischen den Völkern und Kulturen, zu wertvollen Botschaftern ihrer Länder werden.
Das Phänomen einer „hiesigen“, regionalen Identität im Spannungsfeld zwischen Polen und Rußland unterscheidet sich allerdings deutlich von einer zu beobachtenden Abkehr von der nationalen Identität, wie sie sich gegenwärtig in mehreren Ländern Westeuropas abzeichnet. Im Hinblick auf den traditionell förderativen Charakter des deutschen Staates gibt es gerade Deutschland stark ausgeprägte regionale Identitäten wie beispielsweise in Bayern oder in Sachsen. Im Prozeß der Reichseinigung, die 1871 auf preußischem Wege vollzogen wurde, aber auch in Folge der Vereinigung beider deutscher Staaten mit Hilfe des „Anschlusses“ der DDR an die BRD, kam es zu einer weiteren Stärkung des Regionalbewußtseins zu Ungunsten einer gesamtdeutschen Identität. Heute ist man in Deutschland vorrangig ein „Hiesiger“, ein Sachse, Bayer, Schwabe und weniger ein „Gesamtdeutscher“. Diesbezüglich nimmt die „hiesige“ Identität eine weitere, andersartige, universale Gestalt an. Denn das regionale Bewußtsein in Deutschland ergibt sich oft aus dem bewußten Verzicht auf eine vorher bereits etablierte nationale Identität. Dieser Verzicht, aber auch die Verdrängung nationalen Selbstbewußtseins führt dazu, dass man heute in Deutschland Bedenken und Probleme beim Erörtern der Frage empfindet, „Stolz ein Deutscher zu sein?“. Die weißrussische „hiesige“ Identität hat im Unterschied dazu nie die Etappe einer nationalen weißrussischen Identität und Selbstidentifikation erreicht.
ÇÀ¡ÂÀÃÀ
Íÿìåöê³ à¢òàð ðàçãëÿäàå çüÿâó „òóòýéøàñüö³“, ÿêàÿ, ÿê âÿäîìà, çíàéøëà àñàáë³âóþ òðàêòî¢êó ¢ áåëàðóñêàé ë³òàðàòóðû (äàâîë³ íàãàäàöü ï’åñó ßíê³ Êóïàëû „Òóòýéøûÿ”).
„Òóòýéøàñüöü“ ïàøûðàíàÿ íå òîëüê³ ¢ íàøûì ñòàðîíüí³. Ãýòà çüÿâà ¢í³âýðñàëüíàÿ, íàéâûðàçíà çà¢âàæíàÿ ¢ êóëüòóðíà-íàöûÿíàëüíûì ïàìåææû ³ ñÿðîä ýòí³÷íûõ ãðóïà¢, àäðîçíûõ ó ìî¢íûõ àäíîñ³íàõ, àëå ç íåàäíàçíà÷íàé íàöûÿíàëüíàé ñüâåäàìàñüöÿé. À¢òàð ó ñâà³õ ðàçâàãàõ íàéáîëüø àï³ðàåööà íà ñëàâÿíñê³ì ìàòýðûÿëå, íà áåëàðóñê³ì ó ïðûâàòíàñüö³. Àíàë³çóå ìåõàí³êó àñ³ì³ëÿöû³ òûïó: ß – Áåëàðóñ ïîëüñêàé íàöûÿíàëüíàñüö³ // ÿ – áåëîðóñ, íî ðóññêèé.
Hans-Christian Trepte – Institut für Slavistik Universität in Leipzig.
Zofia Ilinska (1921-1995)
Zofia Ilinska wurde 1921 im Nordosten der östlichen Grenzgebiete der Zweiten Polnischen Republik (II Rzeczpospolita) geboren, die heute zu Litauen bzw. zu Belarus gehören. 1920 waren ihre Eltern in die alte Heimat zurückgekehrt, um ihr niedergebranntes Gut bei Moryn am Niemen wieder aufzubauen. Sechzehn Jahre später, am 17. September 1939, mußte die Familie erneut flüchten. Dem Geheimabkommen zwischen Ribbentropp und Molotow folgend hatte die Rote Armee Ostpolen besetzt. Über das noch freie Litauen gelangte Zofia Ilinska in den Westen und fand in England eine neue Heimat. In Essex erlernte sie die englische Sprache, um schließlich englische Literatur an der Universität von Reading zu studieren. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges hatte sie zwei Gedichtbände in polnischer Sprache vollendet. 1946 heiratete sie und zog nach St Mawes in Cornwall. Dreißig Jahre lang führte sie mit ihrem Ehemann verschiedene Ferienhotels; geschäftliche Verpflichtungen hielten sie dabei ziemlich oft vom Schreiben ab. In ihrem Buch Horoscope of the Moon schreibt sie über ihr Leben nach dem Ableben ihres Mannes und über den plötzlichen Tod ihres einzigen Sohnes, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Während der kurzen Cornischen Sommer kümmerte sie sich um ihre Feriengäste, die langen Winter waren dagegen ganz dem Lesen und Schreiben vorbehalten. Zofia Ilinska las in polnischer, englischer und französischer Sprache; ihr großes literarisches Vorbild war T. S. Eliot. So übertrug sie u.a. sein Murder in the Cathedral (1939, deutsch Mord im Dom, 1946) ins Polnische.
Den Gedichtband Address of Paradise (1996), bereits in der englischen Adoptivsprache geschrieben, widmete Zofia Ilinska fast ausschließlich ihrer gespaltenen bzw. doppelten Identität und dem Problem der Sprache bzw. des Sprachwechsels. Die in Englisch verfaßten Gedichte einer aus dem polnischen Sprach- und Kulturkontext stammenden Autorin stellen eine Ausnahme dar. Wenn ein Sprachwechsel in der Fremde des Exils erfolgreich vollzogen wurde, dann geschah das in erster Linie in der Prosa und Dramatik, doch fast nie in der Lyrik. Zahlreiche, in den englischen Text eingeflochtene polnische Wörter unterstreichen die polnische Herkunft und kulturelle Identität von Zofia Ilinska. Erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion durfte sie 1992 ihr Heimatland am Fluß Niemen (Memel) wiedersehen. Wie bereits vor siebzig Jahre ihre Eltern kam nun die Tochter in ihr Dorf zurück, fand ihr Vaterhaus verwüstet und die Gräber zerstört vor. Nach ihrer Rückkehr nach England stiftete sie einen Fonds, um die Gräber und die kleine Kapelle wieder aufbauen zu lassen. Im Juni 1994 fuhr sie aus Anlaß der Kirchweihe der katholischen Kapelle wieder in ihr geliebtes Land am Niemen. Es sollte ihre letzte Reise sein. Kurz nach ihrer Rückkehr nach England erkrankte sie an Krebs und verstarb im Oktober des Jahres 1995.
Address of Paradise, die dritte in englischer Sprache verfaßte Gedichtsammlung der Autorin, ist zum größten Teil ein Ergebnis der in das Land der Kindheit unternommenen Reisen. Mit ihren Gedichten versucht die Autorin, die immense Distanz zwischen ihrer ersten Welt am Niemen und der zweiten Welt im britischen Cornwall zu überbrücken. Beim Wiedersehen mit der alten Heimat mußte sie erstaunt feststellen, dass sie am heimatlichen Niemenfluß nur in polnischer Sprache schreiben konnte. So ist das Gedicht „Niemen“, das Zofia Ilinska am Flußufer in den Sinn kam, in polnischer Sprache entstanden und wurde später von der Verfasserin ins Englische übertragen.
Zu den wichtigsten Schlüsselwörtern im literarischen Werk von Zofia Ilinska gehören die Ausdrücke „word“ (das Wort) und „roots“ (Wurzeln). Beide Begriffe widerspiegeln die eigene Exilerfahrung, den komplizierten Sprachwechsel, das Schreiben in einer fremden Sprache, die traumatische Entwurzelung nach Flucht und Vertreibung und die problematische Neuverwurzelung im Gastland sowie die daraus erwachsene doppelte kulturelle Identität, die von der sensiblen Dichterin immer wieder künstlerisch hinterfragt und zum Ausdruck gebracht wird. Bezüge zur Bibel werden im literarischen Werk der Ilinska ebenso deutlich wie der stete Bezug auf die gesamte europäische Kultur im westlich-abendländischen Sinn.
Zofia Ilinska fühlte sich als ein Kind Europas, sie kam aus einem Teil des Kontinents, der mit den dort einst lebenden bunten Menschgewirr aus Polen, Weißrussen, Juden, Russen und Zigeunern, durch Kriege, Revolutionen und Vertreibung verschwunden ist und nur noch in den Erinnerungen der Überlebenden fortlebt. Das Bändchen Address of Paradise, aus dem hier wenige Beispiele vorgestellt werden, gehört zu jenen wertvollen intim-persönlichen Zeugenaussagen, in denen sich das Leben, das Leid von Millionen Europäern aus dem „anderen Europa“ widerspiegelt, die ihre alte Heimat verloren und das Glück hatten, eine neue zu finden.
H-Ch. T.
THE RIVER AT THE HOUR OF NOON-TIME
MILKING AND THE HORSES
DER FLUSS ZUR ZEIT DES MITTAGMELKENS UND DIE PFERDE
Jahrhundertealt, kontemplativ und stumm,
Fließt der Fluß durch Wiesen einer langsamen Bewegung gleich,
aortend durch mein Herz zur Ostsee hin.
Ein Pferd wird zum Ufer geführt, beugt seinen Kopf und trinkt.
Das Pferd, der Mann mit dem Pferd blicken lange in das Wasser.
Langsames flaches Gulgern. Bewegungslosigkeit.
Die Kühe sind zur Weide gezogen, die schwarz-weißen Friesen.
Die Bienen sind zur Weide geflogen - Töchter, Enkeltöchter
Der Wilden Mutterbiene der Königin, die beim Ausschwärmen
Aus einem geborstenen Baumstumpf von meiner Mutter eingefangen wurden.
Die Bienenstöcke sind geweißt. Sieben. Darunter die Apfelbäume,
Unsere sieben himmlische Schreine mit summendem Heiligenschein.
Die Sonne steht hoch. Es ist die Stunde des Mittagmelkens.
Die Milchfrauen klettern auf die Karren,
Dralle Weidemädchen ziehen ihre langen Röcke hoch,
Rücken ihre Tücher zurecht, werden auf die Kuhblumenweiden gefahren.
„Gelobt sei der Herr Jesus Christ“ stimmen alle an.
„Für immer und ewig amen“ antworte ich ihnen.
Kannen, Eimer, Schemel werden auf die Karren geladen,
Die Pferde warten - das eine grau, das andere kastanienbraun, zwei Füchse.
Siwak*, der Wallach, ist von eigener Vornehmheit
Nach dem Schwimmen im Fluß trocknet seine graue Mähne.
Es gibt nichts Geduldigeres auf der Welt als
Ein Arbeitspferd, seine sanfte Unterwürfigkeit,
ehrwürdige, unbestrittene Güte.
Der Wind spielt in seiner ungekämmten, wehenden Mähne.
Ich gebe ihnen Zuckerstückchen. Sie zermalmen sie, wedeln
mit ihre langen dunklen Schwänzen die Fliegen davon, runzeln ihre Haut
Heben ab und zu einen ihrer beschlagenen Hufe
Bereit den Sand jener beschwerlichen Wege zu betreten.
O sie sind unbezahlbar, edel, unsere herrschenden Prinzen.
Hier gab es keine Pferde als ich geboren wurde
Kein einziges lebendes Pferd im ganzen Lande.
Allmählich, eins nach dem anderen, wurden sie vom Westen hergebracht
In Güterzügen auf Stroh von Warschau nach Lida,
Eine unglaublich wertvolle Fracht, von Tatus-Papa begleitet.
* siwak, siwek, polnisch; deutsch: Schimmel
NIEMEN / MEMEL
Ich sitze am Niemen und blicke auf die Boote
Krähenjunge ziehen um mich ihre Kreise
Hier singt eine Nachtigall - da fliegt eine Seeschwalbe vorbei
Das Ruder eines Fischers taucht in das Wasser.
Die gleichen Wälder und die gleichen Weiden
Wie vor Jahren - wortlose Verzauberung
Und eigenartige, melancholische Traurigkeit und Verwunderung.
Wohin ist all das Wasser und die Zeit geflossen?
Der Fluß murmelt: bedenke, Schwester,
Nimunas - Niemen sind sie nicht dasselbe?
Flach - tief - wirbelnd - still
Fasziniert - mit mir selbst beschäftigt - in voller Flut
Meine Sterne und meine Fische liebkosend
Eile ich dem Meer entgegen, denn das ist meine Bestimmung.
MY TWO COUNTRIES / MEINE ZWEI LÄNDER
Erfüllt von Schmerz und Zorn blicke ich zurück
Auf die ehrerbietende Ebene meines ersten Landes
Eine gefährliche Ebene die es wehrlos machte
Eine großzügige Ebene - stolze und vertrauensvolle Ebene
Sorglose schneeverwehte dem Tod trotzende Ebene
Ungeschützt und einfältig - für immer entschwindend.
Und dann die Art wie sie schrumpfte und verschwand
In Grenzen und aus Grenzen gezwängt - erlaubte sie den Landkarten
Ihre grausamen Pokerspiele zu spielen.
Weitentfernt von der Ebene schlug ich dann mein Zelt
in meinem Adoptivland auf - auf granitenem Fels
Oben auf einem Keltischen Hügel. Die Gezeiten der See
halten einbrechende Horden fern. Die Kieselsteine geben
einen zischenden Klang von sich beim Rückzug der See.
Ich fülle meine Augen mit Seevögeln und den Umrissen von Booten.
Und es gibt hier einen Anflug von Magie. Lausche.
Sei still und hör‘ zu: eine wilde Flucht von Hufen
Die Hufe der Einhörner - ein gedämpfter Laut.
1 Aleksander Antipenka: Today’s Belarusian (Surviving the ethnicity vrisis), in: Stereotypes and Nations, hrsg. von Teresa Walas, International Cultural Centre, Cracow 1995, S. 97.
2 Anne Apllebaum: Between East and West. Across the Borderlands of Europe, New York 1994, S. 169.
3 Piłsudski, Józef:Pisma zbiorowe, t. V-VI, Warszawa 1937, s. 76.
4 Piłsudski, Józef: Wypowiedzi. W: „Dzieje najnowsze“, Nr. 3, Wrocław-Warszawa-Kraków-Gdańsk 1972, s. 144.
5 K. Gomółka: Białorusini w II Rzeczypospolitej, „Zeszyty Naukowe Politechniki Gdańskiej“ nr. 495, Ekonomia XXXI, Gdańsk 1992, s. 103.
6 STEMPOWSKI Jerzy: Od Berdyczowa do Rzymu (Szkice), Paris 1971, s. 36.
7 BORZCKI, Jerzy: Issues of Language and National Identity in the Population Censuses of the Polish Russian Borderlands: Reexaminations and Comments. In: The Polish Review, New York, XLIV (1999) 1, S. 39.
8 Większość mieszkańców województwa poleskiego (707,4 na ogólną liczbę 1131,9) określiła się podczas spisu powszechnego w 1931 r. jako „tutejsi“, podczas gdy jedynie 75,3 tys. deklarowalo swoją narodowość w kategorii językowej jako bialoruską, a 54 tys. jako ukraińską. Mały Rocznik Statystyczny, Warszawa 1938, s. 22.
9 Naród utracić może swój język, nie tracąc świadomości swej tożsamości (czego smutnym przykładem są Irlandczycy“.Leszek Kołakowski: O tożsamości zbiorowej, w: Moje słuszne poglądy na wszystko, Kraków 1999, s. 156-168.
10 F. Barth: Introduction, in: Ethnic Groups and Boundaries: The Social Organization of Difference, hrsg. von F. Barth, Oslo 1992, s. 9-38.
11 Thomas Hylland Eriksen: Ethnicity and Nationalism, London 1993.
12 E. Orzeszkowa do A. Drogoszewskiego, 12 V 1903, w: E Orzeszkowa, Listy zebrane, oprac. E. Jankowski, t. IV, Wrocław 1958, s.126.
13 K. Podlaski: Bracia nasi? Rzecz o Białorusinach, Liwinach i Ukraińcach, Warszawa 1984, s. 13.
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çãîäû Àá'ÿäíàíüíÿ Villa
Sokrates
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