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ANNUS ALBARUTHENICUS/ÃÎÄ ÁÅËÀÐÓÑʲ ÍÀ ÑÒÀÐÎÍÊÀÕ ÊÀÌÓͲÊÀÒÓ

 
 ANNUS ALBARUTHENICUS/ÃÎÄ ÁÅËÀÐÓÑʲ N* 7 / 2006 ã. 

Die Integration mit Russland im Bewusstsein der weißrussischen Bevölkerung 

Ryszard Radzik 
Maria-Curie-Skłodowska-Universität in Lublin


Den sich den letzten zehn Jahren abzeichnenden Prozess einer Annäherung zwischen Weißrussland und Russland kann man unter mehreren Aspekten betrachten. Er ist seit dem Amtsantritt des Präsidenten Aljaksandr Lukaschenka eine reelle Erscheinung und gleichzeitig stellt er eine Idee eines künftigen Bundes beider Länder dar, dessen Umfang noch nicht exakt artikuliert ist. Die Annäherung der beiden Länder ist durch eine politische (militärische) und wirtschaftliche Dimension gekennzeichnet. Die Tendenzen zur Einigung resultieren aus diversen Ursachen. Man kann sie u.a. als eine Reaktion auf die dreijährige Regierungszeit (1991-1994) von Politikern deuten, die zumindest zum Teil westlich orientiert waren; sie stammten häufig aus katholischen Kreisen und versuchten in Weißrussland Elemente der Demokratie und (im sehr geringen Grad) des freien Marktes einzuführen. Ihre Katholizität wurde vom bedeutenden Teil der weißrussischen Bevölkerung mit dem Polentum assoziiert – also mit etwas Fremdem, die Demokratie mit einem Durcheinander und der freie Markt mit der Armut. In den freien Wahlen des Jahres 1994 wählten die Weißrussen eine Option, die ihrer Kultur entsprang und ein Erbe der 200-jährigen Bindungen mit Russland und der sowjetischen Tradition der Machtausübung war. Die Verbindung mit Russland ist eine Idee (Losung), die im Bewusstsein eines bedeutenden Teils der Bevölkerung anwesend ist, von dieser Bevölkerung unterstützt wird, aber in ihrer praktischen Dimension nicht exakt bestimmt ist. Aljaksandr Lukaschenka versprach vor elf Jahren eine Rückkehr zu etwas Bekanntem, wessen Symbol das vertraute Moskau und nicht das fremde London, Paris oder geographisch näher gelegene Warschau ist.

Die östliche Option Weißrusslands (und die Wahl Lukaschenkas zum Präsidenten) war kein Zufall, so wie es kein Zufall war, dass die Litauer, Letten und Esten trotz empfindlicher Folgen dieser Entscheidung nach einer umgekehrten Richtung zu streben begannen – nach Europa. Das hat sie nach der Trennung vom russischen Markt und der Umstellung auf den europäischen Markt einen mehrjährigen wirtschaftlichen Kollaps gekostet. Die Entscheidungen der Bevölkerung der baltischen Länder hatten tiefe Verankerung im Bewusstsein der Bürger und äußerten sich in der Haltung im Alltag. Nicht die militärische Kraft Russlands steckte die neuen Trennlinien in diesem Teil Europas ab. Sie wurden in menschlichen Köpfen und Herzen umrissen. Bedingt wurde das durch die Kultur und die Traditionen der ein Gebiet bewohnenden Bevölkerung. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die enttäuschten Erwartungen die abgesteckten Grenzen künftig modifizieren werden.

Soziologische Untersuchungen des Verhältnisses zur ehemaligen SU und zum jetzigen Russland führte man in Weißrussland seit der Gründung des unabhängigen Staates durch. Man untersuchte ebenfalls die Haltungen der Weißrussen gegenüber der Perspektive einer Verbindung ihres Staates mit Russland. Das einzig unabhängige Zentrum, das laufend Ergebnisse seiner Untersuchungen publizierte, wurde im Laufe der Zeit das Unabhängige Institut für Gesellschaftlich-Ökonomische und Politische Studien, dessen russische Abkürzung NISEPI lautet. Durch eine Entscheidung des Obersten Gerichts Weißrusslands wurde seine Wirksamkeit am 15. April 2005 verboten. Unsere Erörterungen werden sich hauptsächlich auf die Ergebnisse der Arbeit dieses Institutes stützen. Entscheidend ist ihre Zugänglichkeit, methodologische Vergleichbarkeit in einer größeren Zeitspanne, relative Glaubwürdigkeit. Diese von außen zu bestimmen ist schwer, sie resultiert dennoch manchmal aus einer inoffiziellen Bestätigung durch Ergebnisse anderer – mit dem Staat verbundener – Forschungseinrichtungen, welche jedoch die wirklichen Untersuchungsresultate manchmal im Druck modifizieren. Die weißrussische Gesellschaft ist kein leichter Gegenstand soziologischer Untersuchungen. Sie hat meist bäuerliche Wurzeln und sammelte während mehrerer Jahrzehnte der sowjetischen Machtausübung überaus schwere Erfahrungen, besonders in der Zeit der stalinistischen Säuberungsaktionen. In vielen Kreisen, besonders auf dem Lande, und generell in der älteren und mittleren Generation und unter schwach ausgebildeten Personen wird der Soziologe wie ein potenzieller Vertreter der Behörden wahrgenommen. Bei empfindlichen Fragen antwortet man manchmal „erwartungsgemäß“. Auch in Polen, besonders in der Zeit der Volksdemokratie, war das keine unbekannte Erscheinung. In den Antworten der Befragten entdeckt man nicht selten Versuche einer Anpassung an plötzliche Wenden in der Politik der staatlichen Behörden. Sie spiegeln (zumindest partiell) weniger den Stand ihres Bewusstseins wider, als vielmehr die Neigung zur Nachgiebigkeit gegenüber den bestehenden politischen Trends. Die Wiederholbarkeit derselben Untersuchungsinstrumente in längerer Zeitperspektive schwächt zumindest zum Teil dergleichen Zustände. Aus den seit 1996 publizierten NISEPI-Bulletins resultiert, dass die Untersuchungen grundsätzlich an einer repräsentativen Gruppe von ca. 1500 Personen durchgeführt wurden. Die Erhebungen hatten eine statistische Fehlerquote von durchschnittlich 3 Prozentpunkten.

Ein anderes Problem ist die deutliche Verschiedenheit der weißrussischen und der polnischen Gesellschaft. Zum Ausdruck kommt dies durch die Unterschiede in der Identität, in der Hierarchie der Gemeinschaften (ihrer Inhalte) und in der Hierarchie der Werte. Eine Folge davon sind (zumindest „vom polnischen Standpunkt“) einander widersprechende Antworten. Diese Widersprüche sind meist nur scheinbar und resultieren aus (mit den polnischen verglichen) untypischen Haltungen der weißrussischen Bevölkerung. Man kann sie klären, wenn man einen Fragebogen verwendet, der die untersuchte Problematik vertieft. Manchmal führt eine Nachbarschaft von bestimmten Fragen zu wesentlich anderen Antworten. Nur zum Teil lässt es sich auf traditionelle Art erklären. Es ist nämlich zu vermuten, dass die Kategorisierung der Antwort in einer für einen Polen so wichtigen Frage wie eine Verbindung mit einem anderen Staat unter den Weißrussen nicht völlig eindeutig ist. Die Übergänge zwischen den Kategorien sind ziemlich fließend und die Kategorien (Antworten) selbst haben eine überraschend starke kontextuelle Dimension.

Ein Beispiel für die weißrussische Besonderheit sind die Ergebnisse der Untersuchungen vom Mai/Juni 1996, die in der Tabelle 1 enthalten sind1.

Aus den obigen Antworten kann man ersehen, dass fast zwei Drittel von Weißrussen gleichzeitig Anhänger eines souveränen und eines mit Russland vereinigten Weißrussland waren. Diesen Widerspruch klären zumindest partiell die in der Tabelle 22 enthaltenen Antworten auf Fragen, die bei derselben Untersuchung gestellt wurden.



Aus den Antworten resultiert, dass die Weißrussen sich damals nach einer Vereinigung mit Russland wirtschaftliche Vorteile versprachen. Ihre entscheidende Mehrheit lehnte entschlossen die Berufung einer gemeinsamen Armee ab (es verbarg sich dahinter wohl der Krieg in Tschetschenien) und wünschte sich nach dem Muster des sowjetischen Weißrussland, dass gesonderte staatliche Strukturen beibehalten werden: Präsident (ehemals Sekretär der Weißrussischen Kommunistischen Partei), Regierung und Parlament. Ihre Verbindung mit Russland betrachteten also die Weißrussen zumindest zu einem gewissen Grad als etwas, was an die Wirklichkeit der UdSSR erinnert, als Weißrussland als Mitglied der UNO formell ein Subjekt des internationalen Rechts war. Es verfügte damals über Merkmale einer gesonderten Staatlichkeit und war zugleich Mitglied eines gemeinsam mit den Russen gebildeten Staates – der Sowjetunion. Wichtig zu erwähnen ist, dass Weißrussland niemals in der Geschichte ein unabhängiger Staat war (man sieht hier vom Großherzogtum Litauen und von den vorangegangenen Perioden ab). Grundsätzlich nur bei den Eliten erschien vor dem 19. Jahrhundert ein nationales Bewusstsein, sonst war das ein Phänomen des 19. oder sogar erst des 20. Jahrhunderts. Die Forderungen der schwachen weißrussischen Nationalbewegung reichten einst nicht über eine Autonomie im Rahmen des Zarenreiches hinaus. Die Unabhängigkeit erhielten die Weißrussen 1991 unerwartet, infolge des Zusammenbruchs des Moskauer Putschversuchs und der Befürchtungen der lokalen Nomenklatura vor der Unterstützung dieses Putsches. Für den überwältigenden Teil der Bevölkerung war diese Unabhängigkeit weder etwas Erträumtes noch etwas Erkämpftes. Nur enge Eliten des Landes dachten nach nationalen und nicht – wie es der überwältigende Teil der Weißrussen tat – nach sozialen Maßstäben. Der neue Staat wurde daher als eine modifizierte Sowjetrepublik wahrgenommen. Das Volk achtete vor allem darauf, wo man besser lebt. Weil der Lebensstandard in der Anfangszeit der Unabhängigkeit an der weißrussischen Seite der Grenze höher als an der russischen war, überlegte die Bevölkerung des benachbarten Smolensk-Gebietes ernsthaft eine Möglichkeit eines Anschlusses an Weißrussland. An den beiden Seiten der Grenze dachte man nach den Kategorien eines gemeinsamen postsowjetischen Raumes und nahm die Behörden und die von ihnen kontrollierten Einrichtungen mehr sozial als national wahr (um so mehr, als die Bevölkerung an beiden Seiten der Grenze weder durch die Sprache noch durch die Religion getrennt ist).

Die Untersuchungen aus dem Jahr 1996 wiederholte man zum Teil sechs Jahre später. Hier werden ihre Ergebnisse präsentiert3: 

Aus dem Vergleich der Tabelle 2 und 3 resultiert, dass das Ausmaß der Unterstützung für einzelne Bereiche der Integration der beiden Staaten mit der Situation vor 6 Jahren vergleichbar (allerdings nicht identisch) ist. Die Intensität der Akzeptanz der Integration im Rahmen der besprochenen Bereiche ist hingegen auffallend geringer (bei keiner der einzelnen Antworten überschritt man 50% der Bejahung). Am leichtesten fällt es den Weißrussen weiterhin, das Fehlen der Grenzen zwischen den beiden Staaten und eine gemeinsame Währung zu unterstützen. Am dritten Platz befindet sich die Akzeptanz für ein gemeinsames Recht. So war es in der Zeit der UdSSR und ein gemeinsames Recht heute muss keine Gefahr für eine gesonderte Staatlichkeit bilden. Bedeutende Abnahme des Grades der Unterstützung für eine gemeinsame Grenze kann eine vergrößerte Neigung zur Bewahrung der eigenen Souveränität bedeuten. Auf Gleiches deutet die sehr geringe und (mit Ausnahme des Präsidenten) sich verringernde Akzeptanz für eine Beseitigung der institutionellen Besonderheiten Weißrusslands aus der sowjetischen Zeit (Präsident, Regierung, Parlament) und fehlende Unterstützung für eine gemeinsame Armee hin (es spielt hier wohl weiterhin der Krieg in Tschetschenien eine Rolle). Einen gemeinsamen Präsidenten akzeptierten 1996 20,5% der Bevölkerung Weißrusslands und sechs Jahre später 20,8%. Diese Abweichung vom oben gezeichneten Trend ist Folge einer sehr interessanten Erscheinung. Auf die Frage „Für wen würden Sie in den Präsidentschaftswahlen stimmen, wenn es ein gemeinsames Amt des Präsidenten von Weißrussland und Russland wäre?“ antworteten die meisten Befragten, dass sie Putin wählen würden: im April 2000 würden Putin 31,1% wählen, Lukaschenka 22,3%, im April 2001 entsprechend 40,3% und 24,4%, im April 2002 – 50,5% und 14,0%4. Das Bewusstsein der Verschiedenheit gegenüber den Russen ist also bei den Weißrussen schwach ausgeprägt. Traditionell neigen sie wohl auch dazu, sich dem Machtzentrum in Moskau unterzuordnen, denn in der Situation, wenn Putin keine Konkurrenz bildete, erfreute sich Präsident Lukaschenka parallel einer Unterstützung von ca. 40% der Bevölkerung. Insgesamt zeugen diese Untersuchungen davon, dass die Akzeptanz für einen Verzicht auf Merkmale eigener Souveränität sich verringert. Dabei sucht man jedoch durch Bindungen mit Russland wirtschaftliche Vorteile für Weißrussland zu erlangen (auch wenn das die eigene Unabhängigkeit zu beeinträchtigen droht). 

Nach den soziologischen Untersuchungen vom Dezember 1991 unterstützten 69% der Befragten die Unabhängigkeit Weißrusslands und den Vertrag über den Beitritt des Landes zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten5. Regelmäßige Untersuchungen des Verhältnisses der Weißrussen zur Unabhängigkeit führte das NISEPI seit 1996 durch. Hier kommen die Ergebnisse dieser Untersuchungen6:

Wie aus der Tabelle 4 resultiert, erfolgte zwischen dem Jahr 1996 und 2001 (also binnen von 5 Jahren) eine Zunahme der Akzeptanz für die weißrussische Unabhängigkeit um knapp 5%, obwohl es binnen von 4 Jahren (bis 2000) eine Abnahme um 1,6% war; zwischen 1996 und 1997 erfolgte eine Zunahme der Unterstützung um über 20%, anschließend erfolgte ein schneller und tiefer Rückfall. Wie sie auch zu verstehen ist, akzeptierten insgesamt 2/3 der Weißrussen die weißrussische Unabhängigkeit, nur 10% waren entschieden dagegen; im Kontext der gesellschaftlichen Folgen einer eventuellen Entscheidung ist zweifelsohne interessant, dass 1/4 der Befragen unschlüssig war bzw. die Antwort verweigerte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es in der von der Untersuchung erfassten Zeit zu keinem wesentlichen Wandel des Verhältnisses der Weißrussen zu ihrer Staatlichkeit kam. Im Jahre 2000 untersuchte man genau das Verhältnis zur weißrussischen Unabhängigkeit unter einzelnen Kategorien der Befragten7. Es hat sich gezeigt, dass ihr größter Befürworter die Jugend im Alter von 16 bis 24 Jahren und die Personen im Alter von 40-49 Jahren sind. Am wenigsten unterstützen die Unabhängigkeit die Personen im Alter von 60 und mehr Jahren (Unterschied von mehr als einem Dutzend Prozent), die gleichzeitig die größten Gegner einer Souveränität sind. Die Akzeptanz für die Unabhängigkeit steigt eindeutig bei gebildeten Schichten (Unterschiede von 54,2% bis 73,4%). Die größte Bejahung für die Souveränität bekunden die Lernenden (71,9%), die geringste die Pensionäre (55,5%). Die größte Unterstützung genießt die Idee der Unabhängigkeit in dem Bezirk Brest (71,5%) und die wenigsten Gegner hat sie im Grodno-Gebiet (6,3%). Die wenigsten Befürworter findet sie hingegen im Raum Witebsk (45,8%). Hinter die Behauptung „Weißrussland und Russland sollen sich zu einem Staat vereinigen“ stellten sich in einer anderen Untersuchung vom Juni 1997 12,5% der Bevölkerung des Grodno-Gebietes und 22,7% der Bevölkerung des Mohilew-Gebietes (durchschnittlich in Weißrussland – 16,3%)8. Auch auf der Grundlage anderer Untersuchungen kann man zur Annahme neigen, dass sich politische Unterschiede zwischen einzelnen Regionen Weißrusslands (besonders zwischen Ost und West) bemerken lassen. Sie sind allerdings geringer als es der Fall in der Ukraine ist.

Interessante Ergebnisse brachte die im Juni 2000 durchgeführte Untersuchung der weißrussischen Elite – 96,7% der Befragten akzeptierten die weißrussische Unabhängigkeit, keiner hat sich ihr widersetzt und 3,3% der Befragen mieden klare Antwort bzw. haben sich der Antwort enthalten9. Die Ergebnisse der Untersuchung kann man als erwartungsgemäß einstufen. Die weißrussischen Eliten sind die größten Nutznießer der Souveränität: sie gewinnen an Prestige, finanziell und erlangen einen größeren Zutritt zur Macht. Eine Einverleibung Weißrusslands durch Russland hätte wohl zur Folge, dass die wirtschaftlich und politisch stärkeren, über größere Kulturressourcen verfügenden Russen auf dem Markt erschienen und die Position der bisherigen weißrussischen Eliten erschütterten.

Wenn man die Antworten aus der Tabelle 4 berücksichtigt, enthält die nächste, fünfte Tabelle scheinbar überraschende Daten10.



Die Daten aus dieser Tabelle sind eine partielle Klärung der Akzeptanz der Unabhängigkeit durch 2/3 der Weißrussen in der vorigen Tabelle. Es zeigt sich, dass lediglich 1/3 der Befragten (vor dem Jahr 2000 waren es einige Prozent mehr) die Souveränität Weißrusslands ohne Verbindung mit Russland völlig akzeptiert; demnach sollen es gutnachbarliche Beziehungen zweier unabhängiger Staaten sein. Die Akzeptanz dieser Vision Weißrusslands verringerte sich binnen der untersuchten 5 Jahre von 41,4% im Juni 1997 auf 29,6% im April 2002, obwohl es auch in denselben Jahren sehr voneinander abweichende Ergebnisse gab. Die Akzeptanz der „Gemeinschaft unabhängiger Staaten“ durch die Weißrussen hatte in der untersuchten Zeit eine steigende Tendenz (besonders dann, wenn man von der letzten Untersuchung absieht) und in den letzten zwei untersuchten Jahren (in einer der Untersuchungen auch im Jahr 2000) war die Unterstützung für diese Option größer als für die anderen, getrennt behandelten Optionen. Überraschend großer Teil von Befragen – durchschnittlich über zweifach mehr als in den in der Tabelle 4 enthaltenen Untersuchungen - unterstützte die Verbindung von Weißrussland und Russland in einen Staat. Mann kann vermuten, dass die Antworten auf einzelne Fragen jedes Mal überraschend stark vom ihrem Kontext abhängig sind, d.h. davon, wie ein konkreter Satz von Fragen zusammengestellt wurde. Nahe liegend ist, dass die Weißrussen ziemlich fließend von einer in die andere Kategorie übergehen können. Diese Kategorien sind in ihrem Bewusstsein nicht so deutlich – tief emotional – umrissen und einander ausschließend, wie es in der voll ausgeprägten nationalen Gemeinschaft der Polen oder der Ungarn der Fall wäre. Die Weißrussen setzen sich also nicht so stark für die Verteidigung ihrer Unabhängigkeit ein, wie es die typischen Völker Europas tun, die über ein deutlich präsentes historisches Bewusstsein und eine lange Unabhängigkeitstradition (einschließlich der Kämpfe um die nationale Freiheit) verfügen.

Die nächste, sechste11 Tabelle umreißt deutlich drei Varianten der weißrussisch-russischen Relationen, die in der vorigen Tabelle enthalten sind.

Tabelle 6. Welche Variante der Integration Weißrusslands und Russlands würden Sie persönlich bevorzugen? % 

Bei der Untersuchung des Verhältnisses zur Integration Weißrusslands mit Russland änderte man leider erneut ein wenig die Fragen ab. Man kann also nicht über eine völlige Vergleichbarkeit einzelner Etappen des Untersuchungsprozesses sprechen. Dieses Mal stellt man die Neigung fast einer Hälfte der Weißrussen zur Bevorzugung der Variante des Verhältnisses von Weißrussland und Russland als unabhängiger Staaten fest, allerdings in enger politischer und ökonomischer Bindung, wie es im Unterschied zur Frage aus der Tabelle 5 formuliert wurde. Die Antworten in der mittleren Zeile bedeuten eine völlig souveräne Option. Sie ist deutlich schwächer als die vorausgehende, trotz eindeutig steigender Tendenz in den Jahren 2003-2004. Es verringert sich hingegen in diesen Jahren und ist entschieden am schwächsten vertreten die Option einer völligen Verbindung Weißrusslands und Russlands in einen Staat.

Starke Neigung zur Verbindung mit Russland wurde auch durch andere Untersuchungen bestätigt. Auf die Frage „Wie werden Sie stimmen, wenn ein Volksentscheid über die Annahme einer Verfassung eines föderativen Staates Weißrusslands und Russlands durchgeführt wird?“ antwortete man in den einzelnen Jahren: ich stimme dafür – 43,8% (X. 2001), 46,1% (XII 2002), 50,3% (III 2003), 50,4% (IX 2003), 37,8% (III 2004), 42,9% (VI 2004) i 40,9% (XI 2004)12. Die Zahlen kann man kaum als deutlich zusammenschrumpfende anerkennen, besonders wenn man berücksichtigt, dass die Untersuchung vom März 2004 kurz danach geschah, als die Russen die durch Weißrussland u.a. nach Polen führende Erdgasleitung geschlossen hatten – man antwortete also unter dem Druck der Stunde. Diesen Kontext soll man berücksichtigen, wenn man die unten dargestellten Daten aus anderen in derselben Zeit durchgeführten Untersuchungen interpretiert. Auf die Frage „Wie würden Sie antworten, wenn heute ein Volksentscheid über die künftige Entwicklung Weißrusslands erfolgte?“ erhielt man die folgenden Antworten (%)13: 

Kurz und ein wenig vereinfacht ausgedrückt: die Neigung zur Verbindung mit Russland dominiert über den Wunsch eines Beitritts zur EU. Die kulturellen Bindungen mit dem östlichen Nachbarn sind entscheidender als die materiellen Vorteile einer Verbindung mit dem Westen. Der Umstand, dass 1/5 der Weißrussen sich gleichzeitig mit Russland und mit der EU integrieren will, zeugt u.a. über ihr Niveau der Kenntnis der politischen Wirklichkeit in ihrer nächsten Umgebung. Die obigen Daten bestätigt die Tabelle 814. Wenn die Weißrussen als einzige Alternative die Wahl zwischen Russland und der EU haben, wächst proportional ihre Unterstützung sowohl für die eine als auch für die andere Option. Weiterhin dominiert zwar die prorussische Option, diese Dominanz ist aber prozentuell nicht sehr groß.

In der Tabelle neun15 verglich man die Zahl der entschiedenen Anhänger der Verbindung mit Russland und der Gegner dieser Lösung. Es zeigte sich, dass die Anhänger der Vereinigung entscheidend dominieren und ihre Überlegenheit wächst. Der Zeitraum der Untersuchung war allerdings kurz.

Die Vereinigung mit Russland wird durch schwache Ausprägung des nationalen Bewusstseins unter den weißrussischen Volksmassen begünstigt (manchmal fehlt es sogar ganz). Die Idee der Vereinigung fördern ansonsten starke Bindungen an die russische Kultur, die allgemeine Verbreitung der russischen Sprache in den Städten, die Tradition der Zugehörigkeit zu demselben Staat mit den Russen, familiäre Bindungen. Begünstigend ist auch die Sowjetisierung der Weißrussen, die woanders kaum ihresgleichen findet (vergleichbar mit der Ostukraine). Gegenüber den Russen, ihrer Kultur und ihrem Staat (mit der Hauptstadt in Moskau) vertreten die Weißrussen die tief eingewurzelte Haltung als Objekte, nicht als Subjekte. Auf die Frage „Was ist für Sie wichtiger – die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage Weißrusslands oder die Unabhängigkeit des Landes?“ antworteten die Weißrussen in einer Untersuchung vom Dezember 200316: die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage – 62,6%, die Unabhängigkeit – 25,4%, ich weiß nicht/fehlende Antwort – 12,0%. Wichtiger als die Unabhängigkeit ihres Staates ist also für die Weißrussen die tägliche Existenz. In einer für die Bevölkerung fast aller europäischen Länder so wichtigen Frage hat ansonsten ein bedeutender Teil der Weißrussen (bis über zehn bzw. zwanzig Prozent) keine Meinung bzw. gibt keine Antwort (sieh Tabelle 4). Solche Haltungen vertritt nur eine Bevölkerung, die über kein bzw. über ein schwach ausgeprägtes Nationalbewusstsein verfügt. Auch die jährlich verzeichneten Schwankungen der Akzeptanz der Unabhängigkeit des Landes (bis rund 20%; Tabelle 4) sind wohl ein Zeichen schwacher Verinnerlichung des Strebens nach einer Unabhängigkeit, somit ein Zeichen einer Empfänglichkeit für den Einfluss von außen (z.B. aktuelle politische Situation) – also ein Zeichen der Bereitschaft zum Wandel der Option in dieser für die Völker Europas so wichtigen Sache. Da aber in Weißrussland auf allen Ebenen (auch auf der politischen) stark das Gefühl des Regionalismus und autonome Neigungen entwickelt sind, akzeptieren nur weniger als 20% der Bevölkerung der Republik eine vollständige Auflösung in den Strukturen des russischen Staates17. Die Weißrussen sind entschieden keine Russen und empfinden gegenüber diesen deutlich ihre Andersartigkeit. 

Im Laufe der ganzen Periode der Unabhängigkeit verringerte sich auch deutlich die Unterstützung der Weißrussen für eine Möglichkeit einer Wiedergeburt der UdSSR. Entsprechend den Daten in der Tabelle 1018 spricht sich jetzt die Mehrheit der Bewohner des Landes gegen eine Wiederkehr der UdSSR aus:

Die Autoren der Untersuchung bemerken, dass unter den Anhängern der Wiedergeburt der UdSSR Frauen, ältere Menschen, Personen mit geringer Ausbildung und niedrigen Einkünften, Pensionäre und ländliche Bevölkerung überwiegen. Es sind dies vor allem die Anhänger von Lukaschenka, die eine Verbindung Weißrusslands mit Russland akzeptieren und Gegner der Integration mit der EU sind. Sie unterstützen die Planwirtschaft, bekümmern sich nicht um die Verletzung der Menschenrechte in Weißrussland und um die internationale Isolierung des Landes. Die Gegner der Wiedergeburt der UdSSR sind hingegen entschieden jünger, wohlhabender und besser ausgebildet. Es gibt unter ihnen mehr Männer und mehr Bewohner der Städte. Mehr als die Mitglieder der vorigen Gruppe fühlen sie sich durch die Verletzung der Menschenrechte und durch die internationale Isolierung Weißrusslands beunruhigt. Sie unterstützen den wirtschaftlichen Liberalismus und wollen eine Integration mit der EU. Sie sind in größerem Grad Gegner von Lukaschenka. Entsprechend den Erwartungen zeichnen sich unter den Gegnern der Wiederkehr der UdSSR die Bewohner der Hauptstadt des Landes aus, und unter den Anhängern die Bevölkerung der Bezirke Witebsk und Homel. In der letzten Gruppe befindet sich auch die Bevölkerung des Grodno-Gebietes; die manchmal vorkommende Einteilung des Landes in den proeuropäischen Westen und den prorussischen Osten ist also eine voreilige Versimpelung19. Das Verhältnis zur UdSSR ist im heutigen Weißrussland zweifelsohne anders, als es im Moment der Machtübernahme durch Präsident Lukaschenka der Fall war. Die Mehrheit der Weißrussen ist sich auch darüber im Klaren, dass die Rückkehr zur Vergangenheit unmöglich ist. Die weißrussischen Behörden müssen sich dessen bewusst sein. Es ist allerdings wahr, dass im Bewusstsein der heutigen Weißrussen die UdSSR – als positiver Bezugspunkt – zum großen Teil durch Russland ersetzt wurde. Wichtig ist, dass sich für die Unabhängigkeit des Landes und seine proeuropäische Orientierung diese Kategorien von Weißrussen aussprechen, die sich voraussichtlich mehr und mehr durchsetzen werden. Es kann aber damit nicht als sicher gelten, dass die Zukunft Weißrusslands bereits jetzt bestimmt wurde. Die Verbindungen mit der russischen Kultur, also mit der östlichen Orientierung, sind weiterhin sehr stark. Die Intensität der in den Antworten ausgesprochenen Optionen wird von den weißrussischen Soziologen praktisch nicht geprüft. Man soll sich darüber im Klaren sein, dass sie das Selbstbewusstsein der Befragten untersuchen. Dieses wiederum spiegelt nicht immer das reell vorkommende soziale Verhalten wider und deutet nicht völlig auf die Möglichkeit seiner künftigen Manifestation hin. Ein einschlägiges Beispiel ist der Ausbruch der sozialen Proteste im August 1980 in Polen und die Entstehung der Massenbewegung „Solidarność“, wodurch die polnischen Forscher der sozialen Empirie überrascht wurden.

Das Gemeinwesen in Weißrussland unterscheidet sich deutlich nicht nur vom polnischen, sondern auch vom ukrainischen. Die Einteilung in die West- und Ostukraine (abgesehen wird vom mittleren Teil des Landes) spiegelt in beträchtlicher Dimension die Einteilung in eine Ukraine mit ausgeprägtem nationalem Bewusstsein und eine nichtnational-sowjetische Ukraine wider, in eine ukrainischsprachige proeuropäische und eine russischsprachige prorussische Ukraine; das Ukrainische als Sprache des national bewussten Teils der Ukrainer steuert sie mehr als das Russische nach dem Westen. In Weißrussland hat hingegen weder die Geographie noch die weißrussische Sprache so eindeutige politisch-nationale Konnotationen. Das Weißrussische (nicht auf der Ebene der Eliten, sondern der Volksmassen) trägt mit sich eine etwas andere als das Ukrainische Sammlung von Werten. Ein Hinweis darauf sind die Daten in der Tabelle 1120:

Es zeigt sich also, dass für eine Verbindung mit Russland vor allem die weißrussisch sprechende und für den Beitritt zur EU die russisch sprechende Bevölkerung plädiert. Eine Ursache davon ist, dass das Weißrussische vor allem die Bewohner von Dörfern und kleinen Städten verwenden, sie sind weniger ausgebildet, älter und – in dessen Folge – vermutlich weniger wohlhabend. Die russisch sprechende Bevölkerung neigt stärker zur Verbindung mit Europa (sie ist mehr weltoffen) und ist (wie es andere Untersuchungen zeigen) wirtschaftlich liberaler – sie unterstützt mehr als die weißrussisch sprechende Bevölkerung den uneingeschränkten Verkauf von Betrieben an diese, die zu zahlen bereit sind, auch an westliche Unternehmer21. Diese Erschienung verdient es, näher erläutert zu werden. Das Problem besteht darin, dass die sprachlichen Grenzen in Weißrussland sich in starkem Grad mit den sozialen Grenzen decken, sicherlich mit der Einteilung Land-Stadt – in der Folge also mit der Einteilung in besser und schwächer ausgebildete Teile der Bevölkerung. Trasianka, eine Mischung von Weißrussisch und Russisch, verwendet man in den Städten viel häufiger auf der Ebene der niedrigeren Schichten. In den untersuchten Populationen der Weißrussen lassen sich leider schwer die weißrussisch sprechenden Kreise der Intelligenz (oder eher die weißrussisch sprechenden Intellektuellen) aussondern, weil es eine sehr schmale Schicht ist. Es sind meist weißrussisch schreibende Menschen, die diese Sprache bei öffentlichen Auftritten verwenden, welche mit der Arbeit oder mit der oppositionellen Wirksamkeit verbunden sind. Zu Hause und auf der Straße sprechen sie aber häufig russisch. Wenn man diese Gruppe mit dem sonstigen Teil der russischsprachigen weißrussischen Bevölkerung vergleichen würde, käme man vermutlich zu ganz anderen Ergebnissen als im Fall des weißrussisch sprechenden Bevölkerungsteiles, also praktisch des Bauerntums. Interessant wäre wohl auch die Einteilung der russischsprachigen Population in zwei Teile: in Russen und Weißrussen. Erst die Berücksichtigung der sozialen, sprachlichen und nationalen Trennlinien bei den Untersuchungen ergäbe ein mehr getreues Bild der Haltungen der Bevölkerung Weißrusslands in oberen Fragen. Die moderne weißrussische nationale Ideologie und die größten Werte in der Literatur und Kultur werden heute vor allem in Weißrussisch artikuliert. Eine allgemein bekannte Tatsache ist ansonsten, dass die weißrussischen intellektuellen Kreise mehr nach dem Westen (Europa) als nach dem Osten (Moskau) orientiert sind.

Die größten Anhänger der Integration mit der EU und zugleich Gegner einer Verbindung mit Russland sind (entsprechend der letzten Zeile in der Tabelle 11) interessanterweise die sprachlichen (ethnischen, nationalen) Minderheiten in Weißrussland. Eines ist aber dabei zu beachten: Die größte Minderheit in Weißrussland sind neben den Russen die Polen (die Russen halten sich allerdings nicht für eine Minderheit und werden im Alltag von den Weißrussen nicht wie eine Minorität behandelt). Unter 395,7 Tsd. aller Polen halten nur 18,7 Tsd. das Polnische für die zu Hause verwendete Sprache, 64,5 Tsd. für die Muttersprache, 24,6 Tsd. kennt das Polnische gut (diese Daten sind Ergebnisse der offiziellen Volkszählung von 1999). Sonstige sprechen weißrussisch und russisch. Die Ukrainer (237 Tsd.) sind größtenteils russischsprachig, ähnlich auch die Juden (28 Tsd.) 22. Wir wissen nicht, welche Daten die Tabelle 11 enthielte, wenn man darin die nationalen Minoritäten unabhängig von der durch sie verwendeten Sprache (also auch ihren russifizierten und – vermutlich – mehr als andere sowjetisierten Teil) berücksichtigte. Zweifelsohne trägt aber das Weißrussische ein anderes Wertesystem und andere Haltungen mit sich als das Russische (dafür sprechen auch die 1995 durchgeführten Untersuchungen von Marek Śliwiński und Valerius Čekmonas23). Irreführend kann die Betrachtung des Weißrussischen durch das Prisma der sozialen Zugehörigkeit (Mitarbeiter von Kolchosen und Sowchosen) sein – man kann zum unzutreffenden Schluss kommen, dass die Verwendung des Weißrussischen die Menschen mehr für die Sowjetisierung prädestiniert als die Verwendung des Russischen.

Die obigen Erörterungen zeugen davon, dass die Beschreibung der weißrussischen Wirklichkeit in Anlehnung an polnische (auch westeuropäische) soziale Klischees ein riskantes Verfahren ist. Beim Aufbau der modernen weißrussischen Gesellschaft stützte man sich vor allem auf das sowjetische, nicht auf das nationale Wertesystem. Daher resultieren die Unterschiede zwischen Weißrussland und Polen bzw. der Westukraine (um so mehr zwischen Weißrussland und Westeuropa).

* * * 

Die Erhaltung der Unabhängigkeit durch Weißrussland und ihre Stärkung werden durch eventuelle wirtschaftliche Erfolge dieses Landes gefördert, insbesondere im Verhältnis zur russischen Wirtschaft. Fördernd wirkt auch die Zeit. Die junge, im eigenen Staat erzogene Generation akzeptiert diesen Staat leichter – sie gewöhnt sich an seine Existenz unabhängig von seiner ökonomischen und politischen Verfassung. Die Verbindungen mit Russland werden trotz allem zunehmend schwächer; die einst massenhafte Erscheinung der Übernahme der höchsten Ämter durch Ankömmlinge aus Russland ist in Weißrussland nicht mehr vorhanden. Hinter der weißrussischen Unabhängigkeit stehen eher junge, ausgebildete Leute, Bewohner von Großstädten. Zumindest ein Teil der weißrussischen Eliten wird sich (im Einklang mit dem eigenen egoistischen Interesse) für den Erhalt des Staates einsetzen. Der am meisten fördernde Faktor für den Erhalt der Unabhängigkeit wäre das Erwachen des nationalen Bewusstseins – eine (in einer kurzen Zeitspanne kaum reelle) Stärkung der politischen Gemeinschaft. Dieses Bewusstsein wird wahrscheinlicher im Falle von Erfolgen des weißrussischen Staates und im Kontext seiner Existenz in der internationalen Staatengemeinschaft. Die internationale Lage (darunter auch die Relationen zwischen den USA und Russland) kann das Überleben Weißrusslands fördern, obwohl dies keine zwingende Perspektive ist. Den größten Einfluss auf das Schicksal des Landes übt weiterhin Russland aus. Entsprechend den russischen Untersuchungen von 1999 sprachen sich 77% der Russen für eine Verbindung Russlands und Weißrusslands aus, 9% waren dagegen. Im März desselben Jahres plädierten 41,8% der Weißrussen für die Vereinigung und 40,4% waren dagegen24. Die Russen halten die Weißrussen meist für kein besonderes Volk. Vieles hängt von der inneren Situation in Russland und von den Relationen dieses Staates mit dem Westen (den USA) ab. Der entscheidende Faktor sind aber die Weißrussen selbst.

Aus dem Polnischen von
Wieńczysław Niemirowski

Streszczenie 

W wolnych wyborach roku 1994 Białorusini głosując na Łukaszenkę jako prezydenta, wybrali opcję, która wyrastała z ich kultury, dwustuletniego związku z Rosją, sowieckiej tradycji sposobu sprawowania władzy. Łączenie się z Rosją jest ideą (hasłem), obecną w świadomości znacznej części społeczeństwa, popieraną przez nie, aczkolwiek nieokreśloną ściśle w swym praktycznym wymiarze.

Przedstawione tu rozważania bazują na badaniach socjologicznych prowadzonych w niepodległej Białorusi przez Niezależny Instytut Studiów Społeczno-Ekonomicznych i Politycznych (NISEPI). Wynika z nich, że do 2/3 Białorusinów jest zwolennikami różnych form łączenia się Białorusi i Rosji bądź związków wykraczających poza zwykłe sąsiedztwo. Jednocześnie zdecydowana większość obywateli kraju nie akceptuje wejścia Białorusi w skład Rosji jako jednej z jej guberni. Związek z Rosją widziany jest na ogół jako zachowujący dla Białorusi pewien stopień autonomii, jak się wydaje wzorowany na tej z okresu radzieckiego. Zdecydowani zwolennicy jednoczenia się oby państw przeważają nad jego zdecydowanymi przeciwnikami. Poparcie dla integrowania się obu krajów ma silniejszą motywację ekonomiczną niż polityczną. Zarazem większość Białorusinów woli się łączyć z Rosją niż z Unią Europejską, aczkolwiek około 1/5 respondentów jest zwolennikami obu opcji jednocześnie (sic!). Również większość pytanych wypowiada się przeciwko odbudowie ZSRR, aczkolwiek około 40% wciąż pozytywnie odnosi się do takiej możliwości. Co ciekawe, większymi zwolennikami integrowania się obu państw jest ludność białorusko- a nie rosyjskojęzyczna, co wynika z tego, że są to przede wszystkim mieszkańcy wsi, zatem mniej zamożni i gorzej wykształceni. Przypuszczać zatem można, iż w przypadku rozpisania referendum, większość ludności Białorusi poparłaby akt zjednoczenia się z Rosją, gdyby widziała w tym wyraźne korzyści ekonomiczne, a zarazem zachowany by został pewien stopień autonomii Białorusi w ramach wspólnego państwa. Również obywatele Federacji Rosyjskiej są w zdecydowanej większości zwolennikami łączenia się obu państw.

Ryszard Radzik, Soziologe, Professor an der Maria-Curie-Skłodowska-Universität in Lublin. Er ist Autor u. a. folgender Bücher: Między zbiorowością etniczną a wspólnotą narodową. Białorusini na tle przemian narodowych w Europie Środkowo-Wschodniej XIX stulecia (UMCS-Verlag, Lublin 2000), Kim są Białorusini? (Verlag Adam Marszałek, Toruń 2002 und 2003); Áåëàðóñû (Ïîãëÿä ç Ïîëüø÷û) („Ýíöûêëàïåäûêñ”, ̳íñê 2002). Er untersucht die nationalen Prozesse in Mittelosteuropa im XIX. und XX. Jahrhundert, insbesondere auf den ehemaligen Ostgebieten der Polnischen Republik (heute Weißrussland und Ukraine)


Anmerkungen

1 „Íîâîñòè ÍÈÑÝÏÈ. Èíôîðìàöèîííî-àíàëèòè÷åñêèé áþëëåòåíü Íåçàâèñèìîãî èíñòèòóòà ñîöèàëüíî-ýêîíîìè÷åñêèõ è ïîëèòè÷åñêèõ èññëåäîâàíèé”, âûïóñê 1, VIII 1996, S. 11.

2 Daselbst, S. 12. 

3 Daselbst, âûïóñê 2, VI 2002, S. 27 (die Untersuchungen führte man im April 2002 an einer Gruppe von 1464 Personen im Alter von 18 und mehr Jahren durch, Fehlerquote bis 3%).

4 Daselbst, S. 25.

5 È. Áóãðîâà, Ìîëîäîå áåëîðóññêîå ãîñóäàðñòâî è îáùåñòâî: àëüÿíñ èëè ìåçàëüÿíñ?, [in:] Íàöèîíàëíàÿ èäåíòè÷íîñòü Áåëàðóñè. Ìàòåðèàëû ñåìèíàðà. Ïîä ðåä. Ãåëüìóòà Êóðòà, Ìèíñê 2003, S. 13.

6 „Íîâîñòè ÍÈÑÝÏÈ. Èíôîðìàöèîííî-àíàëèòè÷åñêèé áþëëåòåíü Íåçàâèñèìîãî èíñòèòóòà ñîöèàëüíî-ýêîíîìè÷åñêèõ è ïîëèòè÷åñêèõ èññëåäîâàíèé”, âûïóñê 3, IX 2000, S. 34; âûïóñê 2, VI 2001, S. 20. Die Fragen unterschieden sich in einzelnen Jahren leicht nach dem Inhalt. Es gibt auch eine geringfügige Unstimmigkeit zwischen den Antworten auf die erste Frage in der Tabelle 1 und den Daten in der ersten Zeile der Tabelle 4 (obwohl es vermutlich dieselben Untersuchungen sind). Im Jahre 2001 gab es in der im Bulletin gedruckten Tabelle keine Variante „Ich weiß nicht/fehlende Antwort“. Aus dem Vergleich der Tabelle 1 mit der Tabelle 4 resultiert die wichtige Einsicht, dass die Frage nach der Unabhängigkeit Weißrusslands manchmal selbständig und manchmal gemeinsam mit einer anderen gestellt wurde.

7 Daselbst, S. 30.

8 Daselbst, âûïóñê 3, IX 1997, S. 19.

9 Daselbst, âûïóñê 3, IX 2000, S. 8 (die Befragten waren ca. 60 Personen; „es gab unter ihnen politische Funktionäre auf hoher Ebene, führende Personen aus den Massenmedien, Wissenschaftler und Unternehmer, die sowohl staatliche als auch nichtstaatliche Strukturen vertraten“, S. 3); in mehr ausgebauten Untersuchungen vom September 2004 sprachen sich 65% der Befragen (Mitglieder der Elite) für ein Verhältnis zwischen Weißrussland und Russland aus, das jenem zwischen den Mitgliedern der Gemeinschaft unabhängiger Staaten entspräche; 33% waren Anhänger enger Verbindung beider unabhängigen Staaten, 2% plädierten für eine Verbindung in einen Staat (âûïóñê 3, X 2004, S. 12).

10 Daselbst, âûïóñê 2, VI 2002, S. 39; Daten für III 1999: âûïóñê 1, III 1999, S. 17; Daten für VI 2000: âûïóñê 3, IX 2000, S. 8. Die Fragen in einzelnen Jahren unterschieden sich geringfügig nach ihrem Inhalt.

11 „Íîâîñòè ÍÈÑÝÏÈ. Èíôîðìàöèîííî-àíàëèòè÷åñêèé áþëëåòåíü Íåçàâèñèìîãî èíñòèòóòà ñîöèàëüíî-ýêîíîìè÷åñêèõ è ïîëèòè÷åñêèõ èññëåäîâàíèé”, âûïóñê 4, XII 2004, S. 22.

12 Daselbst, âûïóñê 1, III 2004, S. 13, âûïóñê 4, XII 2004, S. 23.

13 Daselbst, âûïóñê 2, VI 2004, S. 60.

14 Daselbst, âûïóñê 1, III 2004, S. 16.

15 Daselbst, âûïóñê 2, VI 2002, S. 25.

16 Daselbst, âûïóñê 4, XII 2003, S. 14.

17 Daselbst, âûïóñê 4, XII 2003, S. 13 (für eine Verbindung mit Russland durch einen Beitritt zu seinen Strukturen als Bezirke sprachen sich im Dezember 2003 17,1% der Befragten aus, 72,1% waren dagegen, 10,8% hatten keine Meinung).

18 Daselbst, âûïóñê 2, VI 2004, S. 59.

19 Daselbst.

20 Daselbst, âûïóñê 4, XII 2004, S. 31.

21 Daselbst, S. 30.

22 E. Mironowicz, S. Tokć, R. Radzik, Zmiana struktury narodowościowej na pograniczu polsko-białoruskim w XX wieku, Białystok 2005, S. 147.

23 Zob. M. Śliwiński, V. Čekmonas, Świadomość narodowa mieszkańców Litwy i Białorusi, „Przegląd Wschodni”, Vol. IV, Heft 3 (15), 1997, S. 572.

24 Daselbst, , âûïóñê 1, III 1999, S. 16.


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